Wasser ist Leben

von Superintendent Michael Krause

Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. Offenbarung 21,6

Am Ende der Offenbarung des Johannes, dem letzten Buch der Bibel, steht die wunderbare Vision vom neuen Himmel und der neuen Erde. Gott wird bei den Menschen wohnen. Er wird alle Tränen von den Augen der Menschen abwischen. Kein Schmerz, kein Geschrei, kein Leid wird mehr sein. Kein Tod wird mehr sein. So schaut der Seher Johannes die Welt, die einmal kommen wird. Ein Ort des gesegneten Lebens wird es sein. Gott selbst kommt in der Vision zu Wort: „Ich will dem Dürstenden geben von der Quelle des Wassers des Lebens umsonst. Ja, ich werde es tun - ganz gewiss.“

Die Menschen damals, die verfolgt wurden, weil sie sich zu Jesus Christus bekannt haben, werden daraus Hoffnung geschöpft haben. Sie konnten sich fortan auf das Versprechen, das Gott selbst gegeben hat, beziehen. Sie konnten sich daran fest machen. Die, deren Leben gefährdet ist, hören von einem Leben, das nicht zerstört werden kann, das ewig ist. Leben, das Gott gibt. Es kommt von Gott, der es seinen Leuten an nichts mangeln lässt. Der seine Leute zum frischen Wasser führt.

Als Jahreslosung fällt dieses Wort nun in unsere Zeit hinein.In eine Zeit, die auch Leid und Schmerz kennt, Geschrei und Tod.In eine Zeit, in der die Menschen sich allerdings kaum noch vorstellen können, dass es einmal jene ganz andere Zeit Gottes geben wird, in welcher alle Not überwunden sein wird.Wie hören wir das Versprechen Gottes am Beginn des Jahres 2018?

Ich selbst denke an ein Projekt, das ich durch einen Bericht kennen lernen durfte. Vor etwas mehr als zehn Jahren hat Roger Willemsen nach seiner Reise durch Afghanistan eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Es ging ihm darum, dass Brunnen gebohrt werden können. „Brunnen zu schenken, ist auch eine Form, Leben zu schenken“ – so hat Roger Willemsen damals formuliert.

In einem abgelegenen Dorf hatten ihn die Bewohner angesprochen und um Hilfe gebeten. Besonders im Norden Afghanistans herrscht großer Wassermangel. Die Witterungsverhältnisse tragen dazu bei. In der großen Hitze des Sommers verdampft alles Wasser, im bitterkalten Winter frieren die Wasserstellen zu. Es bleibt den Leuten schmutziges Regenwasser und das dreckiges Rinnsal in den seltenen Bächen.

Meist sind es die Frauen, die die weiten Wege zu den wenigen Wasserstellen Tag für Tag zurücklegen. Gefährliche Wege in einem von Minen übersäten Land.

Viele sind dem Aufruf von Roger Willemsen in den letzten Jahren mit einer Spende gefolgt. Für den Bau eines Brunnens werden etwa 800 Euro benötigt. Jeder neu gebohrte Brunnen gibt bis zu 2000 Liter frisches Wasser am Tag. Es sind mittlerweile weit über 500 Brunnen gebohrt worden. Sie liegen an zentralen Orten, die gefahrlos zu erreichen sind. Eine mechanische Handpumpe fördert das Wasser. Kleinere Reparaturen können von den Leuten in den Dörfern selbst vorgenommen werden.

Kein schweres Schleppen mehr über weite Entfernung. Sauberes Wasser. Das zeitraubende Wasserholen entfällt. Anders als zuvor finden die Frauen Zeit, sich fortzubilden, die Mädchen Zeit für die Schule.

Wasser ist Leben. Wasser ist ein Menschenrecht. Die Jahreslosung bringt noch eine andere Dimension ins Spiel: Wasser zu haben, ist Gottes Recht. Dabei klingen biblisch mehrere Dinge an: Die Seele, die nach Gott dürstet, soll frisches Wasser finden. Der Durst nach Gerechtigkeit soll gestillt werden. Diejenigen, die Durst nach einem Leben haben, das keine Not mehr kennt und kein Verderben, werden aus der Quelle des lebendigen Wassers trinken.

In der Jahreslosung kommt Gott selbst zu Wort. Mitten in unserem eigenen Durst nach Leben lässt sie Gott hören. Die Frage ist nur, ob unsere Sinne dafür auch geöffnet sind. Der Theologe Jürgen Moltmann hat das Leben in der modernen Welt als eine „Leben ohne Oberlicht“ bezeichnet. Die moderne Welt, die sich nach humanistischen und materialistischen Konzepten eingerichtet hat, habe Gott irgendwie verloren. Das Leben in dieser Welt wirke reduziert.

Die Jahreslosung schlägt einen anderen Ton an, als ihn diese moderne Welt gewohnt ist. Sie zieht Gott in dieses Leben – hier und jetzt – hinein. Sie drängt darauf: Gott selbst bringt eine Kraft in die Welt hinein, die Veränderungen möglich macht, die zu neuen Aufbrüchen führt.

Ob unsere Ohren das Hören können? Ob unser Herz empfänglich ist für diese Kraft?

Ich selbst bin froh über dieses Gotteswort, das in unsere Zeit hineinfällt. Es unterbricht mich in meinen üblichen Gedanken und richtet mich neu aus. Immer wieder neige ich dazu, mich mit den Dingen abzufinden, wie sie sind. Und ich kann dazu auch stets Gründe anführen. Die tägliche Belastung, die vielfältigen Aufgaben, die Einsicht, nicht an allen Orten der Welt helfen zu können.

Eigentlich müsste der Zusammenhang doch klar sein, er bedürfte keiner weiteren Begründung: Der Durstige, der zu trinken bekommt, wird auch andere trinken lassen. Und doch ist mit Händen zu greifen: Was sich von selbst versteht, was unmittelbar klar sein müsste, gelingt dennoch nicht. Die Sinne bleiben stumpf.

Im Hören auf das Wort aus der Offenbarung des Johannes buchstabiere ich für mich durch: Das, was ist, ist nicht alles. Die Verhältnisse, in denen wir leben, können verändert werden.

Gott selbst führt zur Quelle. Er wird einmal alle Not überwinden. Er wird es tun, ganz gewiss. Das ist die Aussicht. Wenn wir an Gottes Hand gehen – mit dieser Aussicht vor Augen, dann werden hier und jetzt unsere Sinne weit und offen. Wir werden aufmerksam für den Durst der anderen.

Wir selbst werden zu Wasserträgern.

Andachten 2018

JanuarMichael KrauseWasser ist Leben
FebruarHolger KasfeldEs ist das Wort ganz nahe bei dir ...
MärzKatja Okun-WilmerMut tut gut!
AprilBerthold KeuneckeAus Alt mach Neu
MaiHanno PaulEinfach leben
JuniEva-Maria SchnarreVergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!

Andachten 2017

JanuarMichael KrauseMenschliche Menschen werden
FebruarRuth WesselsBitte recht freundlich
MärzAxel BruningSchulden gestrichen
AprilDr. Kai-Uwe SpanhoferKein Weg zurück
MaiHolger KasfeldDer Sonntag - ein Geschenk des Himmels
JuniEva-Maria SchnarreDu siehst mich
JuliVolker KükenshönerAufbruch und Begeisterung
AugustHanno PaulAlte Eltern ehren
SeptemberGabriele Steinmeier„Nicht die Glücklichen sind dankbar. Es sind die Dankbaren, die glücklich sind.“
OktoberUta BültermannMuss man Danke sagen?
NovemberMarkus FachnerReformation braucht Mut
Dezember Claudia GüntherAnkunft im Leben