Vergessen und erinnern

von Markus Fachner, Pfarrer der Ev.-Luth. Philippus-Kirchengemeinde Bünde

 Letztes Wochenende beim 40-jährigen Abiturtreffen in Hagen: Manches Gesicht stimmt weitgehend mit meinen Erinnerungen überein. Bei anderen habe ich nach Jahrzehnten in Ostwestfalen Schwierigkeiten, Name und Gesicht zuzuordnen. Schicksalsschläge wie Sterbefälle und schwere Krankheiten kommen zur Sprache. Einige sind lediglich wegen anderer Termine nicht gekommen. Zu wenigen gibt es gar keinen Kontakt.

Wohltuende Offenheit und Interesse aneinander bestimmen die Gespräche. Alle können bunte Mosaiksteine aus dem Leben anderer und dem eigenen hinzugewinnen oder neu sortieren. Alles wird uneingeschränkt akzeptiert. Niemand startet eine Leistungsschau. Abfällige Kommentare oder Lacher gibt es nicht, auch nicht die Möglichkeit, etwas zu wiederholen. Das Leben ist das, was wir daraus gemacht haben.

„Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat“ (Psalm 103,2). Dieser Psalmvers geht mir durch den Sinn. Ein Satz wie geschaffen für denkwürdige Momente wie solche runden Jubiläen. Bei anderen habe ich ihn schon oft zitiert und kommentiert, jetzt für mich selbst: Ja, es ist menschlich und normal, Dinge, Ereignisse, Menschen zu vergessen, nicht alles präsent zu haben. Vergessen entlastet, schafft Platz für Neues. Aber vieles ist es wert, dem Vergessen entrissen zu werden. Viele Gespräche lassen mich dankbar zurückblicken. Manches, was ich höre, macht mich nachdenklich, weniges ist mir peinlich.

Meine Eltern haben mir den christlichen Glauben nahegebracht und dafür gesorgt, dass ich durch Schule, Studium und Beruf eine solide Lebensbasis finden konnte. Große Schicksalsschläge oder Katastrophen durften mir bisher erspart bleiben. Ich bin dankbar für ein unspektakuläres Leben.

Hoffnungsvoll-nachdenklich stimmt mich, zu hören oder mitzuerleben, wie manche selbst an Brüchen und Schicksalsschlägen in ihrem Leben gewachsen sind.

Peinlich ist mir, wenn ich die Namen von Menschen, mit denen ich zu tun habe, gerade nicht parat habe. Aber ich bin überzeugt, dass etwas anderes wichtiger ist: Niemand, der von Gott Gutes erfährt, ist je aus seinem Gedächtnis gefallen. Gott sei Dank!

Andachten 2018

JanuarMichael KrauseWasser ist Leben
FebruarHolger KasfeldEs ist das Wort ganz nahe bei dir ...
MärzKatja Okun-WilmerMut tut gut!
AprilBerthold KeuneckeAus Alt mach Neu
MaiHanno PaulEinfach leben
JuniEva-Maria SchnarreVergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!
JuliMarkus FachnerVergessen und erinnern
AugustAnnette BeerSalz und Licht
SeptemberJohannes BaumannMeine Seele ist stille

Andachten 2017

JanuarMichael KrauseMenschliche Menschen werden
FebruarRuth WesselsBitte recht freundlich
MärzAxel BruningSchulden gestrichen
AprilDr. Kai-Uwe SpanhoferKein Weg zurück
MaiHolger KasfeldDer Sonntag - ein Geschenk des Himmels
JuniEva-Maria SchnarreDu siehst mich
JuliVolker KükenshönerAufbruch und Begeisterung
AugustHanno PaulAlte Eltern ehren
SeptemberGabriele Steinmeier„Nicht die Glücklichen sind dankbar. Es sind die Dankbaren, die glücklich sind.“
OktoberUta BültermannMuss man Danke sagen?
NovemberMarkus FachnerReformation braucht Mut
Dezember Claudia GüntherAnkunft im Leben