Meine alte Bibel

von Pfarrer i. R. Michael Heß

Da sitze ich nun am Schreibtisch, und suche in meiner alten Bibel den Monatsspruch für April:

Da sagt Jesus Christus: siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. (Mt 28,20)

Ich schaue auf die Bibel und überlege.

Eigentlich wollte ich ja lieber ein Fahrrad haben! Aber da bekam ich vor über 50 Jahren diese Bibel, zu meiner Konfirmation geschenkt.

Sie umfasst ungefähr1800 Seiten. Jede Seite dieser Bibel ist nur einmal da, also einmalig. Keine Seite ist das Ganze, aber jede Seite ist für das Ganze wichtig.

Alle Seiten zusammen enthalten die wunderbarsten und wichtigsten Worte der Welt.

Erst zögernd, dann regelmäßig habe ich begonnen in dieser Bibel zu lesen. Später wurde es zur Gewohnheit. Täglich habe ich in der Bibel gelesen, geblättert, gearbeitet und gesucht. Sie ist mir ein treuer Begleiter, der nicht nur jeden Tag bei mir war, sondern der mich auch auf alle Kontinente begleitet hat.

Auf manchen Seiten habe ich vermerkt, welche Bibelstelle ich an welchen interessanten Orten gelesen habe.

Dass alle 1800 Seiten heute noch ganz - und heil, vorhanden und brauchbar sind, liegt an dem sorgsamen Einband, der all die vielen dünnen Seiten schützt und zusammenhält. Ich habe mich oft gefragt, wo die einzelnen Seiten wohl heute – nach so vielen Jahren wären, wenn sie nicht eingebunden wären in das Buch. Wenn man sie als so eine Art „Loseblatt-Sammlung“ weitergegeben hätte.

Viele der einzelnen Seiten wären wahrscheinlich zerrissen, verlegt oder abhanden gekommen. Vom Winde verweht, wie so vieles in unserer Zeit. Aber eingebunden sind alle Seiten noch vorhanden, lesbar und brauchbar. Auch wenn einige von ihnen im Laufe der Jahre ein wenig gelitten haben. Eselsohren und manche Flecken verzieren ungewollt manche Seite.

Ich denke, auch wir einzelnen Christen sind wie die vielen Seiten einer Bibel. Jeder von uns ist anders. Keiner ist das Ganze, aber alle zusammen bilden wir eine große Gemeinde- weltweit -. Jeder Christ braucht, damit er bewahrt und brauchbar bleibt den sorgsamen Einband in einer Gemeinde.

Christen als Loseblatt- Sammlung haben keinen Bestand. Schnell sind sie zerrissen, verweht und untergegangen. Aber als Gemeinde sind wir bewahrt.

So wie die vielen verschiedenen Seiten einer Bibel in ihrer Einmaligkeit und Ergänzung das Ganze bilden, so sollen wir uns auch als Christen gegenseitig ergänzen

Und noch eines fällt mir an dieser Bibel auf. Vom Goldschnitt, der früher einmal hell strahlte, sieht man nur etwas, wenn alle Seiten zusammenliegen. Die einzelne Seite leuchtet fast überhaupt nicht. Aber alle Seiten zusammen verbreiten einen Glanz. So können wir als Lichter in dieser Welt am besten in der Gestalt der Gemeinde leuchten und wirken. Im Vertrauen auf die Zusage Christi: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Allein wirken wir blass und winzig, aber zusammen bilden wir eine ausstrahlungskräftige Gemeinde, die etwas in dieser Welt bewirken kann.

Etwas, von dem ich zu Beginn meines Studiums geträumt habe. Nämlich anders zu handeln, als uns immer wieder eingeredet wird. Nicht eiskalt und knallhart – sondern Gottes Liebe zu uns deutlich werden zu lassen, indem wir uns mit Wärme und Liebe begegnen.

Andachten 2019

JanuarMichael Krause

Suche Frieden und jage ihm nach!

FebruarVolker KükenshönerSchraube locker
MärzMatthias GleibeDie große Hoffnung
AprilMichael HeßMeine alte Bibel
MaiKai-Uwe SpanhoferMal ehrlich
JuniKatja Okun-WilmerWas für ein Vertrauen!

Andachten 2018

JanuarMichael KrauseWasser ist Leben
FebruarHolger KasfeldEs ist das Wort ganz nahe bei dir ...
MärzKatja Okun-WilmerMut tut gut!
AprilBerthold KeuneckeAus Alt mach Neu
MaiHanno PaulEinfach leben
JuniEva-Maria SchnarreVergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!
JuliMarkus FachnerVergessen und erinnern
AugustAnnette BeerSalz und Licht
SeptemberJohannes BaumannMeine Seele ist stille
OktoberJohannes BeerGeheime Wünsche
NovemberPetra HenningLebe deinen Traum!
DezemberBärbel WesterholzUnd wieder wird es Advent

Andachten 2017

JanuarMichael KrauseMenschliche Menschen werden
FebruarRuth WesselsBitte recht freundlich
MärzAxel BruningSchulden gestrichen
AprilDr. Kai-Uwe SpanhoferKein Weg zurück
MaiHolger KasfeldDer Sonntag - ein Geschenk des Himmels
JuniEva-Maria SchnarreDu siehst mich
JuliVolker KükenshönerAufbruch und Begeisterung
AugustHanno PaulAlte Eltern ehren
SeptemberGabriele Steinmeier„Nicht die Glücklichen sind dankbar. Es sind die Dankbaren, die glücklich sind.“
OktoberUta BültermannMuss man Danke sagen?
NovemberMarkus FachnerReformation braucht Mut
Dezember Claudia GüntherAnkunft im Leben