Die Blätter fallen

von Petra Ottensmeyer, Pfarrerin, TelefonSeelsorge Ostwestfalen

„Die Blätter fallen“ – so beginnt ein Gedicht von Rainer Maria Rilke über den Herbst. Und etwas schwermütig geht es weiter: „Und in den Nächten fällt die schwere Erde aus allen Sternen in die Einsamkeit.“ Bei dieser Zeile wird es auch mir schwer ums Herz. Nicht nur Rilke, auch andere Dichter haben über den Herbst geschrieben, und viele verbreiten eine ähnliche Stimmung. Die Früchte sind geerntet, die Blätter fallen von den Bäumen, die Natur zieht sich zurück, der Winter rückt unaufhaltsam näher.

„Den November müsste es eigentlich gar nicht geben!“ Diesen Wunsch höre ich manchmal am Seelsorgetelefon. „Mit diesem dunklen Monat, mit seiner Dunkelheit und seiner Kälte, tue ich mich schwer. Wenn mir die Decke auf den Kopf fällt, kann ich nicht mehr so einfach rausgehen.“ Oder eine andere Anruferin: „Der November ist für mich der trübsinnigste Monat. Und wenn es dann auch noch den ganzen Tag regnet! Wenn ich den ganzen Tag das Licht anschalten muss und die Sonne es noch nicht mal für ein paar Minuten durch die Wolkendecke schafft. Das deprimiert mich.“

Und manchem machen auch die Feiertage im November zu schaffen: Allerheiligen und Allerseelen, Volkstrauertag und Totensonntag. Diese Gedenktage erinnern ans Sterben, an unsere Vergänglichkeit. „Wir alle fallen“, heißt es in dem Rilke-Gedicht über den Herbst. Nicht nur die Blätter sterben an den Bäumen, auch unser Leben ist endlich. Das Gedicht von Rilke passt für mich sehr gut zu diesem Monat, es könnte auch „November“ heißen.

Am Ende seines Gedichtes schenkt Rilke einen Hoffnungsblick: „Und doch ist einer, welcher dieses Fallen unendlich sanft in seinen Händen hält.“

Das finde ich sehr tröstlich. So wie ich auch das Wachsen und Vergehen in der Natur tröstlich finde. Wenn ich genau hinschaue, kann ich auch an einem grauen Novembertag sehen, die Knospen sind schon angelegt. Irgendwann wird es Frühjahr. Die Blätter kommen wieder, neues Grün bricht hervor. Das gibt Hoffnung, die dunkle Zeit zu überstehen. Und vielleicht ist das ja nicht nur in der Natur so. Auch im Leben kann es helfen, in schweren Zeiten den Blick für das Neue, das Hoffnungsvolle nicht zu verlieren. Auch wenn das manchmal schwerfällt und vielleicht erstmal eine Zeit des Innehaltens braucht.

 

 

Andachten 2019

JanuarMichael Krause

Suche Frieden und jage ihm nach!

FebruarVolker KükenshönerSchraube locker
MärzMatthias GleibeDie große Hoffnung
AprilMichael HeßMeine alte Bibel
MaiKai-Uwe SpanhoferMal ehrlich
JuniKatja Okun-WilmerWas für ein Vertrauen!
JuliSebastian StussigUnerhört
AugustRainer WilmerBraucht die Nächste ein Gesicht?
SeptemberHolger KasfeldVertrauen hat eine eigene Qualität
OktoberBettina FachnerBrot ist Leben
NovemberPetra OttensmeyerDie Blätter fallen

Andachten 2018

JanuarMichael KrauseWasser ist Leben
FebruarHolger KasfeldEs ist das Wort ganz nahe bei dir ...
MärzKatja Okun-WilmerMut tut gut!
AprilBerthold KeuneckeAus Alt mach Neu
MaiHanno PaulEinfach leben
JuniEva-Maria SchnarreVergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!
JuliMarkus FachnerVergessen und erinnern
AugustAnnette BeerSalz und Licht
SeptemberJohannes BaumannMeine Seele ist stille
OktoberJohannes BeerGeheime Wünsche
NovemberPetra HenningLebe deinen Traum!
DezemberBärbel WesterholzUnd wieder wird es Advent

Andachten 2017

JanuarMichael KrauseMenschliche Menschen werden
FebruarRuth WesselsBitte recht freundlich
MärzAxel BruningSchulden gestrichen
AprilDr. Kai-Uwe SpanhoferKein Weg zurück
MaiHolger KasfeldDer Sonntag - ein Geschenk des Himmels
JuniEva-Maria SchnarreDu siehst mich
JuliVolker KükenshönerAufbruch und Begeisterung
AugustHanno PaulAlte Eltern ehren
SeptemberGabriele Steinmeier„Nicht die Glücklichen sind dankbar. Es sind die Dankbaren, die glücklich sind.“
OktoberUta BültermannMuss man Danke sagen?
NovemberMarkus FachnerReformation braucht Mut
Dezember Claudia GüntherAnkunft im Leben