Nachhaltig reich beschenkt sein

von Bettina Fachner, Pfarrerin der Ev. Luth Philippus-Kirchengemeinde Bünde

Da ist die Rede von einem doppelten Plus. Ein reicher Kornbauer hat eine unerwartet gute Ernte, mehr als er zum Leben braucht. Nach anfänglichem Kopfzerbrechen vergrößert er seine Lagerkapazität. So verschafft er sich viel Vorrat. Er freut sich auf ein abgesichertes Leben, ohne Sorgen, voller Entspannung und puren Genuss. „Liebe Seele, habe nun Ruhe; iss, trink und habe guten Mut!“

Dass die Seele satt wird, ist wichtig. Denn sie macht unser Lebensgefühl aus. Leider ist sie sehr anfällig für die Angst, zu kurz zu kommen, weniger zu haben als andere. Ich muss nur genug haben, genug Korn, genug Geld, dann bin ich am Ziel, dann bin ich glücklich und zufrieden – diese Gedankenkombination ist ein Trugschluss. Die Seele isst nun mal kein Korn. Sie wird nicht allein satt von Besitz, Reichtum und Macht.

Womit füttern wir unsere Seele? Sie ernährt sich zum Beispiel von Dankbarkeit und Freude, von glücklichen Augenblicken, die man mit anderen erlebt, von Lieben und Geliebtwerden.

Die Seelenruhe des Kornbauern, seine Sicherheit trügt; so erzählt es Jesus einmal in einer Geschichte (Lukas 12,16-21). Noch bevor der Bauer seine Pläne verwirklichen kann, stirbt er unverhofft des Nachts. Vom doppelten Plus rutscht er ins absolute Minus. Armer Reicher!

Wie kommt’s? Das nur auf sich selbst bezogene Leben hat – biblisch gesehen – keine Perspektive, keine Zukunft, sagt Jesus. Nicht seine üppige Ernte, sein Reichtum oder seine Vorsorge an sich sind falsch oder schlecht. Verhängnisvoll ist vielmehr seine Kurzsichtigkeit: Er sieht nur sich, denkt nur an sich, sorgt nur für sich. Er lebt im Sog der Habgier, bezieht Gott in sein Leben nicht ein. Er denkt auch nicht an andere. Die Worte „Teilen“ und „Abgeben“ sind ihm fremd. „So geht es dem, der sich Schätze sammelt und ist nicht reich bei Gott“, gibt Jesus zu bedenken.

Wie ist man reich bei Gott? Bei Gott reich sein bedeutet interessanterweise, mit leeren Händen vor Gott zu stehen, das zum Leben Entscheidende von ihm zu erwarten. Ich bin reich bei Gott, wenn ich ihn in mein Leben und Denken, Tun und Lassen einbeziehe, wenn ich ihm vertraue, mich von seinen Worten und Werten leiten lasse.

Wenn wir unser Leben und unseren Glauben miteinander teilen, wenn wir einander teilgeben an unseren Gaben und Gütern, dann werden wir über andere Schätze verfügen als der Kornbauer. Unser Lebensertrag besteht dann nicht darin, was wir angehäuft haben, sondern wie verantwortungsvoll wir mit dem umgegangen sind, was Gott uns geschenkt hat, wie weit wir sein Angebot zur Orientierung, seine Hilfe zum Leben angenommen haben. Dabei brauchen wir keine Angst zu haben, uns zu verschenken; denn Gott schenkt uns mehr, als wir geben. Durch ihn sind wir nachhaltig reich beschenkt. Das feiern Christen dankbar am Erntedankfest. Feiern Sie mit?

Andachten 2021

JanuarOlaf Reinmuth

„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“

FebruarMarkus FachnerNicht unterkriegen lassen
MärzKai-Uwe SpanhoferSoviel Du brauchst
AprilChristoph HarderVerzeihen statt Nachtreten
MaiVolker KükenshönerWichtige Arbeit
JuniFrauke WagnerMan muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“
JuliSilke ReinmuthWerkzeug
AugustChristian WellensiekBerührungspunkte
SeptemberAxel BruningSich einfach geborgen fühlen …
OktoberBettina FachnerNachhaltig reich beschenkt sein

Andachten 2020

JanuarMichael Krause

„Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ 

FebruarHanno PaulGottesbilder
MärzAnn-Kristin Schneider„Wachet!”
AprilChristian WellensiekVertrauen trainieren in der Krise
MaiAxel BruningSorget, aber sorget nicht zuviel !
JuniBettina FachnerPfingsten – Gott gibt seinen Geist
JuliAnna-Lena Strakeljahn Stabile Verbindung
AugustChristoph HarderDerek Redmond
SeptemberAnnina LigniezDie Schönheit des Nichtperfekten
OktoberKatja Okun-Wilmer„Einigkeit und Recht und Freiheit“
NovemberReinhard LinkeDie zunehmenden Coronazahlen versetzen viele Menschen in Sorge und Ängste.
DezemberRuth Wessels„Unser Gott kommt und schweigt nicht“