Heimische Missionsfeste lockten tausende Menschen an

Erstellt am 24.07.2018

Neues Buch zur Ravensberger Erweckungsbewegung und deren Auswirkungen auf die evangelische Mission in Afrika

Foto: Walter Moritz mit seinem neuen Buch und Michael Krause mit dem gusseisernen Kochtopf aus Namibia

 

Kreis Herford (24.07.2018). Walter Moritz war Missionar im heutigen Namibia, Pfarrer in Spenge-Wallenbrück und Beauftragter des Evangelischen Kirchenkreies Herford für Mission und Ökumene. Dutzende Bücher und Hefte hat er zum Thema „Mission“ veröffentlicht. Jetzt präsentiert der 84-Jährige sein neuestes Werk.

Zwischen dem Wiehengebirge und dem Teutoburger Wald liegt das historische Ravensberger Land. Hier - im heutigen Kreis Herford sowie in Teilen Bielefelds, Gütersloh und Minden-Lübbeckes - hat vor allem seit des 19. Jahrhunderts die christliche Erweckungsbewegung eine besondere Rolle gespielt und die Menschen religiös geprägt.

„Die Erweckungsbewegung im 19. Jahrhundert bewegte die christlichen Gemeinden zu neuen missionarischen Aktivitäten. In der Folge entstanden weltweit selbstständige Kirchen, die wiederrum selbst die Mission als ihre Aufgabe sahen“, erzählt Walter Moritz. In seinem Buch gibt er historische und biografische Einblicke in das damalige religiöse Leben. Kenntnisreich beschreibt er Zusammenhänge zwischen dem Glauben der Menschen in Ostwestfalen und die daraus folgenden Unterstützung für die evangelische Mission in Afrika.

Sein 128-seitiges Buch „Die Ravensberger Erweckungsbewegung und die Rheinische Mission“ ist ein Beitrag zur Geschichte der äußeren Mission. „Das Buch fügt sich gut in das 200jährige Jubiläum des Ev. Kirchenkreises Herford ein. Es lässt wesentliche Aspekte der hiesigen Erweckungsbewegung anschaulich werden. Ich kann das Buch wirklich jedem empfehlen, der sich für die Geschichte unserer Region interessiert“, sagt Superintendent Michael Krause.

Im Jubiläumsjahr beteiligt sich der Kirchenkreis am Kreisgeschichtsfest, das unter dem Motto „OWLeidenschaftlich“ am ersten September-Wochenende in Enger gefeiert wird. Krause: „Zu unserer Geschichte gehören die Mission und als prägendes Element der missionarische Gedanke. Beides wurde gerade hier in dieser Gegend leidenschaftlich gelebt.“

Mit dem Zeitalter der Aufklärung änderte sich ab dem 17. Jahrhundert auch das kirchliche Leben. Beispielsweise nahmen rationale, stark sachlich-orientierte Sichtweisen und auch Predigten zu. Demgegenüber betonnten Vertreter der sogenannten Erweckungsbewegung eine lebendige Religiosität, geistige Erneuerung und praktische, christliche Lebensweisen.

Im Ravensberger Land erhielt die Erweckungsbewegung großen Zulauf. „Die Menschen fanden dadurch zum persönlichen Glauben und wollten diesen Glauben leben“, berichtet Moritz. Beispielweise entstanden damals erste selbst organisierte Bibelkreise und es wurden große Missionsfeste gefeiert.

Das erste Missionsfest im Ravensberger Land war 1834 in Lübbecke, in Herford folgte ein großes Fest 1841 und ab 1845 wurde fast jährlich in Bünde gefeiert. Das waren teils sehr große Veranstaltungen, die zeitweise tausende gläubige Menschen aus der gesamten Region anlockten. Damals kamen die Besucher in ihrer besten Sonntagskleidung – oftmals traditionell in schwarz. Bei den Festen spendeten die Menschen immer auch Geld für die evangelische Mission in Afrika und Asien. 2006 wurde das 165-jährige und letzte Missionsfest in Bünde gefeiert; farbenfroher, aber auch mit deutlich weniger Besuchern als früher.

„Damals war das noch eine ganz andere Zeit und seitdem hat sich der Gedanke, was Mission sei, gewandelt. Schon seit vielen Jahren gibt es nicht nur einen Nord-Süd-Austausch, sondern auch einen Süd-Nord-Austausch mit gegenseitigen Einflüssen, die das kirchliche Leben bereichern“, erzählt Krause. Beispielsweise hat der Kirchenkreis Herford eine freundschaftliche Partnerschaft mit dem Kirchenkreis Sinabun in Indonesien. Vor ein paar Wochen war gerade einen Delegation aus Indonesien zu Gast im Kreis Herford.

Walter Moritz hat von 1960 bis 1972 in Namibia, der ehemaligen deutschen Kolonie Südwestafrika, gelebt und dort als Missionar gearbeitet. Eine der vielen liebgewonnen Erinnerungsstücke aus Namibia ist ein gusseiserner Kochtopf. Mit dem reiste er übers Land, bereitete in ihm gemeinsam mit den Menschen vor Ort Essen zu und diskutierte dabei auch über Gott und die Welt.

„Ich bin früher viel rumgereist und mache das heute auch noch zu Vorträgen und Ausstellungen der Mission“, berichtet er. Auch beim Kreisgeschichtsfest in Enger wird er als Gesprächspartner und mit einigen seiner Bücher dabei sein. Wer bis dahin nicht warten möchte, kann sein neuestes Buch zum Preis von 12 Euro im Buchhandel bestellen oder es telefonisch direkt von ihm beziehen: Walter Moritz, Telefon (05203) 3197.

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