Flüchtlings-Projekt von Diakonischem Werk, DRK und Kirchenkreis Herford

Erstellt am 23.04.2020

"Hilfe zur Selbsthilfe"

Foto: Sie bilden ein vielseitig engagiertes und kompetentes Mentorenteam für das NesT-Projekt: Anke Strathmann-Horn (v.l.n.r.), Fabian Drosselmeier, Hoda Elias, Amal Hamdy, Clemens Niemann, Maryam Naggar, Hussein Khedr, Nora Mahmut und Holger Kasfeld, hier gemeinsam Anfang März auf einem Foto

 

 

Herford (23.04.2020). Jahre des Ausharrens, der Angst, Armut, Ungewissheit und Perspektivlosigkeit: laut Einschätzungen des Hohen Flüchtlingskommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR) benötigen mindestens 1,4 Millionen sich auf der Flucht befindende Menschen dringend Hilfe. Die Menschen können nicht zurück in ihr Heimatland. Sie gelten als besonders schutzbedürftig, wenn ihr Leben, ihre Freiheit, Sicherheit, Gesundheit oder andere fundamentale Rechte weiterhin gefährdet sind.

Ende des vergangenen Jahres ist das Deutsche Rote Kreuz (DRK) Herford mit dem Diakonischen Werk eine Kooperation eingegangen, um einer sechsköpfigen syrischen Familie, die sieben Jahre im Jordanischen Exil ausgeharrt hat, in Deutschland ein Zuhause und damit die Chance auf Zukunft und ein würdiges Leben in Frieden zu geben. Im Rahmen des Resettlements, also der Neuverwurzelung heimatlos gewordener Menschen setzen sich die beiden Hilfsorganisationen für ihrer Schützlinge ein. Unterstützung gibt es dafür von staatlicher Seite.

"NesT - Neustart im Team" nennt sich das staatlich-gesellschaftliche Aufnahmeprogramm für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge, das Ende vergangenen Jahres angelaufen ist. Das Diakonische Werk und das DRK Herford gehören zu den Pionieren dieses Programms.

Bundesweit wird die Aufnahme von zunächst bis zu 500 Geflüchteten ermöglicht, deren Schutzbedürftigkeit bereits durch das hohe Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) bestätigt ist, so dass ihr Status durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BaMF) ohne langwieriges Asylverfahren bestätigt werden kann.

Weil nicht nur Paten für die Asylsuchenden gefunden werden mussten, sondern auch die Finanzierung der Unterbringung auf zwei Jahre gesichert sein muss, hat sich der Evangelische Kirchenkreis Herford bei der Vermittlung einer Wohnung helfend eingebracht.

Fabian Drosselmeier, Leiter der Migrationsfachdienste im Diakonischen Werk, erklärt: "Diese Menschen sind in besonderem Maß schutzbedürftig, deshalb haben wir ihnen den Weg nach Deutschland ermöglicht."

Es gehe dabei um Personen, die erwiesenermaßen nicht in ihr Herkunftsland zurückkönnten, aus eigener Kraft, sei es bedingt durch Armut, Krankheit oder wegen kleiner Kinder, aber nie den Weg in ein sicheres Aufnahmeland und damit in ein neues Leben stemmen könnten.

Um die Familie mit vier Kindern im Alter von vier, sechs, zehn und elf Jahren aufzufangen und ihnen Unterstützung zu leisten, hat sich ein Netzwerk aus ehrenamtlichen Mentoren zusammengefunden, die alle über Erfahrungen in der Flüchtlingsarbeit verfügen und/oder selbst einen Migrationshintergrund haben. "Wir haben mehrere Teammitglieder, die arabisch sprechen. Das hilft ungemein", sagt Holger Kasfeld vom Kirchenkreis.

Die Gruppe ist recht groß, besteht aus acht bis zehn Personen; ein Umstand, der nicht nur den Geflüchteten zu Gute kommt. Die Arbeit verteile sich auf viele Schultern, das beuge der Überlastung der Ehrenamtlichen vor und habe noch einen weiteren, entscheidenden Vorteil: "Hier bringt sich jeder mit seinen persönlichen Kompetenzen ein, so dass wir sehr breit aufgestellt sind", sagt Kasfeld.

Wichtig sei der Gruppe, nicht nur am runden Tisch zu planen, sondern aktiv zu werden. Vor allem zu Beginn habe jeder Mentor einen eigenen "Fachbereich" gehabt. "Der eine hat die Anmeldungen bei der Krankenkasse übernommen, der nächste den Kontakt zur Kita, zum Arbeitsamt und so weiter", sagt Khedr.

Der große Unterschied des NesT-Programms zur allgemeinen Flüchtlingsarbeit ist der anerkannte Asylstatus der Familie. "Menschen, die wissen, dass sie bleiben dürfen, haben eine größere Motivation, sich mit Dingen auseinander zu setzen", hat Khedr beobachtet.

"Wirklich jeder Elternbrief aus Schule und Kita wird uns von der Familie vorgelegt. Aber wir fordern natürlich auch deren Eigenengagement", sagt Maryam Naggar von der Integrationsagentur des DRK. Das sei nach Jahren der Stagnation für die Familie manchmal ein echter Kraftakt; sprachliche Barrieren, fremde Kultur.

"Hilfe zur Selbsthilfe" lautet hier die Devise. Der Weg zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben soll geebnet werden. Dies geschieht beispielsweise durch Hausaufgabenhilfe, Kennenlernen von Buslinien und andere Alltäglichkeiten, die es im neuen Land zu erlernen gilt.

Auch für die Mentoren ist der Bleibestatus ein wichtiger Motivator. Clemens Niemann arbeitet schon viele Jahre ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe und hat nicht nur positive Erfahrungen gemacht. Niederschmetternd war es für ihn, Ende der 90er Jahre lieb gewonnene Menschen auf eine Reise ins Ungewisse, zurück in das Bürgerkriegsland Jugoslawien gehen lassen zu müssen.

In seinem jetzigen Betreuungsverhältnis ist Niemann sich der Nachhaltigkeit seiner Bemühungen sicher. Jedoch, das wollen die Mentoren nicht leugnen, gab es seitens der Behörden immer wieder Verzögerungen, vor allem was den Fluss der Gelder anging. "Ohne Leihgaben von uns Mentoren wäre es wohl hier und da eng geworden", sagt Hoda Elias vom DRK.  

Trotzdem hoffen die Engagierten, das Programm macht Schule und es finden sich viele weitere Engagierte, denn die Zahl der besonders Schutzbedürftigen, vor allem der Kinder, die in Erstaufnahmeländern festsitzen oder neuerdings vor den Toren der EU ausharren, ist nach wie vor sehr hoch.

 

 

 

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