Birgit Reiche ist leitende Pfarrerin der westfälischen Frauenhilfe

Erstellt am 20.05.2021

Leidenschaftliche feministische Theologin und engagierte Pfarrerin

Herford/ Soest (20.05.2021). Nach 21 Jahren als Verbandspfarrerin tritt die Ostwestfälin die Nachfolge von Angelika Weigt-Blätgen an: Pfarrerin Birgit Reiche ist seit dem 1. Mai 2021 die Leitende Pfarrerin der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen. 

Im Kirchenkreis Herford ist sie seit langem sehr bekannt: Von 1995 bis 1997 war sie Frauenreferentin im Kirchenkreis und von 1997 bis 2000 Gemeindepfarrerin in Südlengern. Danach wechselte sie zur Frauenhilfe Westfalen.

Interview

Über ihre Pläne als leitende Pfarrerin der westfälischen Frauenhilfe sprach sie mit Manuela Schunk, Öffentlichkeitsreferentin des Verbandes.

Was macht Ihnen am meisten Spaß?
Menschen zu begegnen, neue Herausforderungen anzunehmen und mich in neue Themen einzuarbeiten. Dazu habe ich vor allem in unseren diakonischen Arbeitsbereichen im Moment ganz viele Möglichkeiten. Ich lerne jeden Tag dazu, muss aber von Anfang an auch beraten und entscheiden.

Dabei ist es mir wichtig, unsere Grundlage nicht aus den Augen zu verlieren: Ich bin und bleibe auch in der neuen Position leidenschaftliche feministische Theologin und engagierte Pfarrerin.

Gab es etwas, das Sie sich für die ersten Wochen im Amt vorgenommen hatten?
Mir war wichtig, mit möglichst vielen Menschen in der Frauenhilfe ins Gespräch zu kommen. Viele direkte Begegnungen müssen wir auf den Sommer verschieben, aber inzwischen sind wir ja auch in Video-Konferenzen und Telefonaten geübt. Ich möchte sehr schnell Einblick in die aktuellen Fragen in unseren unterschiedlichen Arbeitsbereichen bekommen, um anstehende Entscheidungen fundiert treffen zu können.

Wie schwer hat der Verband mit den Folgen von Corona zu kämpfen?
Allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in unseren diakonischen Einrichtungen haben wir für ihre Umsicht zu danken. Sie haben maßgeblich dazu beigetragen, dass wir in unseren Einrichtungen nur ganz wenige Todesfälle zu beklagen haben. Aber sie sind nach über einem Jahr Corona auch erschöpft und wünschen sich Entlastung.

Welche Auswirkungen die Pandemie auf unsere Mitgliedsgruppen hat, können wir noch gar nicht absehen. Wir versuchen als Landesverband die Leiterinnen - so gut es geht - zu unterstützen, aber wann und wie die Arbeit wieder aufgenommen werden kann, entscheidet sich vor Ort.

Was wünschen Sie sich für das kommende Jahr?
Für unsere Gruppen in den Gemeinden hoffe ich, dass sie nach dieser langen Pause wieder zueinander finden und dass es dort, wo Leiterinnen sich den Neuanfang nicht mehr zutrauen, neue Lösungen gibt, so dass die Gruppen sich nicht auflösen müssen.

Uns allen wünsche ich eine neue Normalität mit dem Virus, in der die Menschen ihre persönlichen Freiheiten zurückerlangen und trotzdem aufeinander Rücksicht nehmen.

Die Herausforderungen werden wir gemeinsam gut bewältigen, denn die Frauenhilfe hat einen engagierten Vorstand und hervorragende ehrenamtliche wie auch hauptamtliche Mitarbeitende.

Die Pandemie hat uns gelehrt, dass wir als Gesellschaft auf ein funktionierendes Sozialsystem angewiesen sind. Die Weiterentwicklung dieses Systems ist nicht zum Nulltarif zu haben. Ich wünsche mir nötige Anreize, damit in Zukunft Menschen gerne soziale Berufe ergreifen.

Antifeminismus und andere gruppenbezogene Menschenfeindlichkeiten, antidemokratische Tendenzen und Gewaltbereitschaft – all dies hat in diesem Jahrtausend deutlich zugenommen. Welchen Beitrag kann die westfälische Frauenhilfe leisten, um diesen Haltungen etwas entgegen zu setzen?
Diese Entwicklungen beunruhigen mich zutiefst. Der Einsatz für Frauen- und Menschenrechte, die Kampagnenarbeit für Demokratie, die Beteiligung an zivilgesellschaftlichen und kirchlichen Bündnissen bleiben für mich wichtige Merkmale der Frauenhilfe, der ich mich verbunden fühle. Als Verbandspfarrerin durfte ich Reisen in viele Länder der Welt leiten. Die Erfahrungen dieser Reisen haben mich dankbar gemacht für das Gesellschaftssystem, in dem ich leben darf. Ich möchte gemeinsam mit allen verantwortlichen Menschen innerhalb unseres Verbandes dazu beitragen, dass wir eine offene und friedliche Gesellschaft bleiben und unsere Demokratie immer weiter entwickeln.

Welche Akzente im Profil der Frauenhilfe wollen Sie in den nächsten 8 Jahren setzen?
Seit Jahren hat die Frauenhilfe in der Verbandsarbeit und in der diakonischen Arbeit einen Schwerpunkt in der Anti-Gewalt-Arbeit. Diesen Schwerpunkt möchte ich weiter profilieren, in der diakonischen Arbeit genauso wie in der Verbands- und Bildungsarbeit.

Der Einsatz für den Dreiklang von Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung ist innerhalb der Frauenhilfe und in die Gesellschaft hinein so wichtig wie vor fast 40 Jahren, als der konziliare Prozess begann. Das möchte ich in den nächsten Jahren in meiner neuen Position weiter unterstützen. Der Klimawandel stellt uns vor die große Aufgabe, unsere Arbeit in allen Bereichen ökologisch weiterzuentwickeln. Das beginnt in der Bildungsarbeit, wird in der diakonischen Arbeit in den nächsten Jahren von immer größerer Bedeutung, muss aber auch Auswirkungen auf unsere Beschaffung und Bewirtschaftung von Gebäuden und Freiflächen haben.

Im Bereich der gemeindlichen Frauenhilfearbeit möchte ich unterstützen, dass sich neben den traditionellen Gruppen andere Mitgliedschaftsmodelle etablieren. Dazu möchte ich Modellprojekte in unterschiedlichen Gegenden unserer Landeskirche anregen und unterstützen.

Ich arbeite inzwischen seit über zwanzig Jahren bei der Frauenhilfe und habe als Fundament der Frauenhilfe immer die theologische Grundlegung unserer Arbeit und den Rückbezug auf die biblische Botschaft verstanden. Ich weiß unsere Arbeit unterstützt durch das fürbittende Gebet unserer Mitglieder. Das macht Mut, mit Gottvertrauen in die Zukunft zu gehen.

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