THEODORA in Herford: 165 Prostituierte in OWL betreut

Erstellt am 23.02.2022

Frauenberatungsstelle für Opfer von Menschenhandel in Ostwestfalen-Lippe mit Sitz in Herford

Herford. „Dass trotz aller Kontaktbeschränkungen die Klientinnen angemessen unterstützt und begleitet wurden, ist der großen Kraftanstrengung der Mitarbeiterinnen von THEODORA zu verdanken“, hebt Birgit Reiche, Leiterin der Beratungsstelle hervor: „Beratung, Begleitung und aufsuchende Arbeit wurden auch im zweiten Pandemiejahr erheblich erschwert.“

Prostituierten- und Ausstiegsberatungsstelle

Die Prostituierten- und Ausstiegsberatungsstelle mit Sitz in Herford konnte im Jahr 2021 Kontakt zu 275 Prostituierten in Ostwestfalen-Lippe aufnehmen, obwohl die Prostitutionsbetriebe fast sechs Monate schließen mussten. „Immer mehr Prostituierte bieten ihre Dienste außerhalb von Betrieben an, werben für ihre Dienstleistungen online“, stellen die Beraterinnen von THEODORA fest.

In 2021 hat die Beratungsstelle THEODORA 135 Frauen psychosozial und rechtlich beraten und begleitet. Themenschwerpunkt war in 2021 alles rund um die Corona-Schutzverordnungen in der Prostitution: Klientinnen wurden unterstützt, in den jeweiligen Testzentren Termine zu vereinbaren. Es wurde viel über kostenlose Impfangebote, insbesondere für in Deutschland nicht Versicherte, informiert und auf Wunsch dorthin begleitet. Ein weiterer Schwerpunkt in der Beratung waren die finanziellen Nöte der Prostituierten durch die fast sechsmonatige Schließung der Prostitutionsstätten.

Die Bildungs-Lotsin Claudia Pipos vom Projektpartner REGE mbH Bielefeld hat zusätzlich 30 Klientinnen beraten. Außerdem wurden 42 Kinder der Klientinnen mitbetreut. Alle betreuten Frauen profitieren vom Aus- und Aufbau des Netzwerkes von vorhandenen Unterstützungssystemen, vor allem jene, die Alternativen zur Arbeit in der Prostitution suchen. 27 Prozent der Klientinnen haben 2021 einen Ausstiegswunsch geäußert, 37 Prozent sind ausgestiegen.

Evangelische Frauenhilfe in Westfalen

Besonders in der Zeit der Schließung der Prostitutionsstätten in der Pandemie wurden die Stimmen lauter, die Rechtslage der Prostitution in Deutschland zu ändern und ein Sexkaufverbot auszusprechen. Dagegen hat sich die Evangelische Frauenhilfe in Westfalen bereits vor Jahren ausgesprochen. „Dadurch wird die Situation von Sexarbeiter*innen nicht verbessert, sondern die Menschen viktimisiert und weiteren Gefahren ausgesetzt“, betont Reiche: „Es ist außerdem zu befürchten, dass Sexarbeiterinnen in Dunkelbereiche gedrängt werden und im Verborgenen arbeiten werden.“

Die Beratungsstelle, seit 2011 in Trägerschaft der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen e.V., wird finanziert als Projekt ProBAT und ist fokussiert auf Armutsprostituierte in der Region Ostwestfalen-Lippe. Sie will Frauen innerhalb der Gruppe der besonders benachteiligten neuzugewanderten Unionsbürgerinnen und deren Kinder in Beratungs- und Unterstützungsangebote des regulären Hilfesystems vermitteln. Projektpartnerin ist die REGE mbH in Bielefeld. Das Projekt ProBAT wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, den Europäischen Hilfsfonds für die am stärksten benachteiligten Personen (EHAP) und die Kommunen in OWL gefördert.

Weitere Informationen

www.theodora-owl.de und www.frauenhilfe-westfalen.de   

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