Wieder Hilfsgüter aus dem Kirchenkreis Herford unterwegs in die Ukraine

Erstellt am 12.04.2022

Vom Ultraschallgerät bis zum Schokoladenhasen

Foto: Ankunft der Hilfsgüter in Kwierzi

 

Kreis Herford (12.04.2022). Schon zum dritten Mal sind sie unterwegs – Ulrike Jaeger und andere freiwillige Helfer*innen, die Hilfsgüter für die Ukraine geladen haben. Manches konnte aus Spendenmitteln gekauft werden, anderes wurde von Familien und Institutionen abgegeben. Der 3,5-Tonner ist gut beladen. Lebensmittel, Kleidung, Hygieneartikel aber auch ein Ultraschallgerät und Windeln sind an Bord und einige Arzneimittel, die man im Krankenhaus von Kwierzi dringend benötigt.

Ulrike Jaegers Handy hat in den letzten Wochen weder hier in Deutschland stillgestanden, noch unterwegs im Auto. Sie muss viele Fragen klären und wird auch von anderen dringend um Antworten gebeten. Es ist ein Einsatz, der manchmal bis in die Nacht andauert, auch weil natürlich auch manche bürokratische Hürde genommen werden muss: Listen müssen ausgefüllt, alles sortiert und deklariert werde.

Woher bekommt man ein rezeptpflichtiges Medikament, das dort in der angefahrenen Stadt dringend benötigt wird, aber nirgendwo zu bekommen ist, weil die Apotheken nahezu leergekauft sind? Wie kann man lebensnotwendiges Insulin organisieren? Wer hat ein gebrauchtes Ultraschallgerät, das im Krankenhaus wertvolle Dienste leisten könnte?  Woher bekommt man auch Hilfsmittel für ältere Bürger*innen dort – etwa medizinische Hilfsmittel oder die  hier so selbstverständlich zu erhaltene Dinge wie Inkontinenzartikel?

Was benötigen aber vor allem die Waisenkinder, um die sich die Menschen dort vor allem kümmern. Haben sie genug Babynahrung, Pflegemittel oder Spielzeug? Schließlich sind sie fast alle erst zwischen einigen Monaten und drei Jahren alt und benötigen auch wenigstens etwas Freude in dieser auch für sie unendlich bedrückenden Zeit.

Ulrike Jaeger und ihre Helfer*innen finden immer wieder Wege. Im Kontakt mit anderen Organisationen und vielen hilfreichen Einzelpersonen können manche Probleme gelöst werden und was zuerst an manchen – leider auch bürokratischen – Hürden zu scheitern drohte, klappt dann doch plötzlich.

Viele Menschen im Kirchenkreis packen an

Es sind auch die vielen Menschen, die mitdenken und anfassen, die dafür sorgen, dass sich das Lager im Untergeschoss des Kirchenkreisgebäudes immer wieder für eine nächste Fahrt füllt.

Manchmal ist Hilfe so einfach: Eine Frau ruft an, deren Mutter vor einigen Wochen verstorben ist. Sie hat noch Pflegemittel und Inkontinenzprodukte, die sie so nicht wegwerfen müssen, sondern die mitgenommen werden können und hilfreich in Kwierzi Verwendung finden werden.

Ein Mann fragt an, ob ein Karton Schokohasen gebraucht werden kann. Und schon sind die kleinen Osterfreuden verpackt und werden vor Ort an Kinder verteilt um sicher auch das wichtigste christliche Fest etwas zu versüßen.

Längst haben sich einige Helferinnen und Helfer „eingearbeitet“, sind öfter dabei, wenn im Keller wieder alles in Kartons verpackt wird. Dabei trifft jung auf alt. Und Menschen von hier und aus der Ukraine arbeiten Hand in Hand, denn einige geflüchtete Frauen, die in Bünde derzeit in Sicherheit sind, lassen es sich nicht nehmen mit zu helfen und so ihre ukrainische Heimat zu unterstützen. Auch wenn man nicht die gleiche Sprache spricht, so spricht man schnell die gemeinsame Sprache der Herzen – und verständigt sich mit Übersetzungshilfen, etwas Englisch und Händen und Füßen. Es geling aber – und ist ein tolles Miteinander hier im Kreis Herford und dort vor Ort, wo wieder viele mit anpacken, wenn die Autos ausgeladen werden müssen.

Leider werden wohl noch eine ganze Weile diese Hilfstransporte nötig sein. Es ist eher mit einem „Marathon“ zu rechnen, als dass man nur Kräfte für einen „Kurzstreckenlauf“ mobilisieren muss.

Darum bleiben die Menschen in der Ukraine unsere Aufgabe der Nächstenliebe und auch die, die sie zu geben bereit sind, benötigen für ihr zeitintensives und oft kräftezehrendes Engagement auch  Menschen, die sie mit unterstützen. Dabei sind Gebet und Fürbitte ebenso erbeten wie die „praktische“ weitere Begleitung.

Wer also noch mit anfassen kann: Herzlich willkommen!

Wer große oder kleine hilfreiche Dinge beschaffen kann: Toll, vieles wird benötigt! Dabei geht es um wirklich große Dinge – wie z.B. um ein EKG-Gerät- , aber auch um die vielen kleinen Grundbedürfnisse und Alltagsgegenstände, die auf einer ständig aktualisierten Liste dort in Kwierzi aufgeschrieben und gerne im Kirchenkreis abgefragt werden können.

Denn nach der Fahrt ist schon wieder vor der nächsten Fahrt – und Hilfe wird noch eine ganze Weile benötigt werden.

Auch wenn alle vor allem eines hoffen – dass bald Friede wieder möglich wird!

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