Hiddenhausen: Erfolgreiches Kooperationsprojekt zur sozialen Teilhabe von jungen Menschen wird fortgesetzt

Erstellt am 10.05.2022

Johannes-Falk-Haus und Café Alte Werkstatt laden zum Kaffeetrinken und Kuchenessen ein

Foto: Josephine Otto hält einen Vortrag über Inklusion. Durch ihre Muskeldystrophie ist die 24-Jährige auf ein Beatmungsgerät und einen Rollstuhl angewiesen, würde aber gern beruflich durchstarten.

 

Text und Fotos: Daniela Dembert

Hiddenhausen (10.05.2022). Gemütlichkeit liegt in der Luft. Kaffeetassen klappern und Hausmachertorten verführen zum kalorienreichen Genuss. Etwas langsamer als in der kommerziellen Gastronomie ist der Service wohl, dafür freundlich und bemüht.

Nach coronabedingter Pause ist das Kooperationsprojekt des Cafés Alte Werkstatt auf Gut Hiddenhausen und des Johannes-Falk-Hauses wieder an den Start gegangen. Das Johannes-Falk-Haus ist eine Schule in der Trägerschaft des Evangelischen Kirchenkreises Herford. Sie bietet Kindern und Jugendlichen mit besonderem Förderbedarf Unterstützung in ihrer Entwicklung, mit dem Ziel, den Menschen mit einer geistigen Behinderung ein selbstbestimmtes Leben in sozialer Teilhabe zu ermöglichen.

Mädchen und Jungen der Berufspraxisstufe servieren an mehreren Mittwochnachmittagen im Café Alte Werkstatt besondere Leckereien, die in der Schulküche zubereitet wurden. Bei diesem Projekt sammeln junge Menschen mit Förderbedarf Erfahrungen in einem Berufsfeld. Vor allem aber erfahren sie für ihre Leistungen Wertschätzung durch die Cafébesucher.

Den Blick ihrer Mitmenschen für das wichtige Thema Inklusion zu schärfen hat sich Josephine Otto zum Ziel gesetzt. Die 24-Jährige ist mit einer unbekannten Muskelerkrankung geboren, wird beatmet und sitzt im Elektrorollstuhl. Vor welche Hürden ihre Behinderung sie im Alltag stellt, wie andere Menschen damit umgehen und was sie sich für Gehandicapte wünscht, hat die Bielefelderin in einem Vortrag vor 20 Cafébesuchern offen berichtet.

Wegen ihrer Kleinwüchsigkeit werde sie häufig nicht ernst genommen und von anderen Menschen angestarrt, erzählt sie. „Statt mit mir persönlich zu reden, sprechen die Leute meine Begleitungen an.“ Sowohl im öffentlichen Nahverkehr als auch bei Einkäufen oder Behördengängen sei es für sie schwierig, sich als mündige Persönlichkeit wahrgenommen zu werden.

Barrierefreiheit ist ein großes Thema für die Rollstuhlfahrerin. „Wenn ich mit Bus und Bahn reisen möchte, bedeutet das, sich genau zu erkundigen, ob die Stationen barrierefrei sind. Spontan sein ist eher schwierig.“

Ernüchternd ist die Feststellung, die Josephine Otto bei der Berufsfindung gemacht hat: „Es gibt wenig Möglichkeiten für Menschen wie mich.“ Beim Arbeitsamt habe man ihr zu einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung geraten. In einer solchen habe sie sich aber nicht erst genommen und unterfordert gefühlt. „Also habe ich an einer Abendrealschule meinen Abschluss nachgemacht.“ Praktika in der Spenger Stadtbücherei und bei der Deutschen Bahn verliefen erfolgreich. „Das hat gut geklappt, weil die Mitarbeiter einfach offen mit mir darüber geredet haben, was ich kann und was nicht“, sagt sie. Eine berufliche Nische hat die junge Frau jedoch nicht gefunden.

Probleme sieht Josephine Otto auch im zu starren deutschen Schulsystem, das behinderten Menschen häufig nicht den benötigten Nachteilsausgleich einräume.

Wolfgang Röttger, Konrektor des Johannes-Falk-Hauses, stellt die Problematik der Förderschulen dar: „Unsere Aufgabe ist, die Schüler bestmöglich zu fördern. Da wir es aber mit einer sehr großen Bandbreite von Behinderungen und Entwicklungsstadien zu tun haben, ist es nicht leicht, das zu realisieren.“

Ein angeregtes Gespräch entspann sich zwischen Referentin und Besuchern, in das sich auch Maximilian Mazurek, Schüler des Johannes-Falk-Hauses einschaltete. Auch er hat die Behindertenwerkstatt als wenig herausfordernd empfunden und geht in der Förderschule nun seiner Leidenschaft, dem Gartenlandschaftsbau nach. Offen erzählt er von Ausgrenzung, die er durch andere Jugendliche erfahren hat: „Als die gehört haben, dass ich die Johannes-Falk-Schule besuche, wollten die nichts mehr mit mir zu tun haben.“ Einige Jahre habe ihn so etwas schwer getroffen, heute denke er sich: „Die anderen haben das Problem, nicht ich.“

Infos und Terminvereinbarungen zu diesem Projekt und zu Gruppenbesuchen sowie zu weiteren Öffnungszeiten: Anna von Consbruch, Telefon (0172) 5249499.

Foto: Maximilian Mazurek und Cora Berger sind Schüler des Johannes-Falk-Hauses und haben die Gäste am Mittwoch im Café Alte Werkstatt bestens umsorgt.

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