NADESCHDA in Herford: 79 betroffene Frauen von Menschenhandel in OWL

Erstellt am 20.02.2022

Frauenberatungsstelle für Opfer von Menschenhandel in Ostwestfalen-Lippe mit Sitz in Herford

Herford (21.02.2022). „Wenn ich früher von der Beratungsstelle gehört hätte, dann wäre ich früher zur Polizei gegangen und mir wäre so vieles erspart geblieben!“  Dieser Satz von Mary macht deutlich, wie wichtig die Unterstützung durch eine Fachberatungsstelle für Betroffene von Menschenhandel ist. 7 Tage die Woche, 16 Stunden am Tag, egal bei welchem Wetter, musste sie auf der Straße arbeiten. „Ich konnte eure Sprache nicht, der Polizei sollte ich nicht trauen, wo also sollte ich hin?“

Diese Frage haben sich schon viele Klientinnen von NADESCHDA gestellt. Die Frauenberatungsstelle für Opfer von Menschenhandel in Ostwestfalen-Lippe mit Sitz in Herford ist seit 1997 in Trägerschaft der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen und betreute im vergangenen Jahr 79 Frauen und 23 Kinder. „Die Hoffnung auf ein besseres Leben im vermeintlich reichen Europa bringt viele Frauen dazu, das Risiko einer ungewissen Zukunft einzugehen“, erklärt eine der Mitarbeiterinnen, Mira von Mach. Ihre Kollegin, Corinna Dammeyer,

ergänzt: „Sie werden jedoch in der Regel bewusst getäuscht und ihnen wird verschwiegen, dass sie in der Prostitution arbeiten sollen.“

Konstante Angebote für Geflüchtete

„Das zweite Pandemiejahr verlangte den Mitarbeiterinnen von NADESCHDA großen Einsatz und viel Kreativität ab, damit die Klientinnen kontinuierliche Hilfe erhielten“, verdeutlicht Birgit Reiche, Leiterin der Beratungsstelle. Trotz Pandemie konnte durch NADESCHDA die wöchentliche Sprechstunde für geflüchtete Frauen in der Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) durchgehend angeboten werden. Dadurch konnten alle interessierten Frauen der Unterkunft eine niederschwellige Beratung in Anspruch nehmen und im Fall von Menschenhandel nach Wunsch in die intensive Beratung aufgenommen werden.

Ebenfalls wurde die Vorbereitung und Begleitung der Klientinnen zur Aktenanlage und Asyl-Anhörung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge

(BAMF) fortgesetzt. Insgesamt 13 Klientinnen - überwiegend aus westafrikanischen Ländern - nahmen die psychologische Beratung und Begleitung von NADESCHDA in Anspruch. „Beratungsgespräche im Gehen in ruhiger Umgebung wurden aufgrund der hohen Akzeptanz auch im Sommer beibehalten“, erläutert die Psychologin Anna Monika Schäfer.

Im Rahmen des Projektes „Empowerment geflüchteter Frauen“, das durch die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration gefördert wird, konnten durch die so genannte Peer-to-Peer Schulung fünf Klientinnen zu Alltagslotsinnen ausgebildet werden. In vier Schulungsmodulen wurden verschiedenste Themen behandelt, um die zukünftigen Alltagslosinnen bestmöglich auf ihre Arbeit mit den Klientinnen vorzubereiten. Diese werden ab 2022 aktuellen Klientinnen der Beratungsstelle muttersprachlich im Alltag begleiten und ihnen niederschwellig Unterstützung anbieten. Zudem haben die Projektkoordinatorinnen eine Handreichung veröffentlicht, die als Hilfestellung für andere Institutionen dienen soll.

Digitalisierungsschub

Acht digitale Schulungen von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen in den Flüchtlingsunterkünften bzw. Fachberatungsstellen und der Polizei wurden durchgeführt. „Insgesamt erreichten wir somit ca. 240 Mitarbeitende aus den verschiedensten Berufsgruppen“, freut sich Lisa Dockhorn. Der Digitalisierungsschub seit Pandemiebeginn ist jedoch für die Klientinnen eher von Nachteil. „So benötigten die Klientinnen wieder verstärkt Unterstützung bei einfachsten Behördenvorgängen. Sprach- und Integrationskurse wurden eingestellt oder in Onlinekurse umgewandelt.

Menschen ohne Internetzugang und Laptop waren plötzlich zurückgelassen.

Viele Klientinnen fühlen sich unterfordert, sind frustriert und einsam“, erklärt Corinna Dammeyer. „Wir werden daher für sie IT-Schulungen in kleinen, auf ihre speziellen Bedürfnisse eingestellte Kursmodulen organisieren, das technische Equipment zur Verfügung stellen und somit eine Verselbständigung erneut voranbringen“, berichtet Mira von Mach.

Weitere Infos

www.nadeschda-owl.de und www.frauenhilfe-westfalen.de

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