Kreiskirchliche Jugendarbeit will interreligiöse Begegnungen fördern

Erstellt am 31.01.2022

Vorurteile überwinden, Vertrauen schaffen

Foto: Ulrike Jaeger und Jürgen Ennen freuen sich über den Start des neuen Projektes und auf möglichst viele Menschen, die mitmachen.

 

Kreis Herford (31.01.2022). Zurzeit verhindert Corona viele Begegnungen. Das hindert jedoch das Amt für Jugendarbeit im Evangelischen Kirchenkreis Herford nicht daran, perspektivisch genau das Gegenteil zu planen. Mit einem neuen Projekt sollen interreligiöse Vorurteile abgebaut und mehr freundschaftliche Kontakte gefördert werden. Die Initiatoren wünschen sich dabei auch eine Zusammenarbeit mit Schulen.

„Voneinander hören, voneinander lernen und zusammenrücken, dadurch werden Vorurteile abgebaut“, sagt Jürgen Ennen, Leiter des Amtes für Jugendarbeit. Mit einer halben Personalstelle wird ab sofort das neue Projekt aus dem Ökumenefonds der Evangelischen Kirche von Westfalen gefördert. Der Projektname beschreibt die inhaltlichen Schwerpunkte: „Erinnerungs- und Versöhnungsarbeit mit Belarus und zusätzliche Begegnung mit jungen Jüdinnen und Juden in Deutschland“. Als Mitarbeiterin dafür konnte Ulrike Jaeger gewonnen werden, die sehr viel Berufserfahrung und gute Kontakte nach Belarus mit in ihre neue berufliche Aufgabe bringt.

„Abraham Geiger, ein deutscher Rabbiner aus dem 19. Jahrhundert sagte: ´Aus der Vergangenheit schöpfen, in der Gegenwart leben, für die Zukunft wirken´. Dieses Zitat beschreibt sehr schön das Ziel unserer Arbeit“, erzählt die evangelische Gemeindepädagogin. Sie wird in den kommenden fünf Jahren das Projekt betreuen und als Ansprechpartnerin für Schulen und Gruppen zur Verfügung stehen. Außerdem wird sie mit einer halben Stelle – wie bisher – in der offenen Jugendarbeit in Bünde-Ennigloh wirken.

Das Projekt ist eine Weiterentwicklung des Internationalen Jugendworkcamps „Völkerverständigung, Friedens- und Versöhnungsarbeit“, das im Kirchenkreis Herford seit 1996 besteht und von Ulrike Jaeger maßgeblich aufgebaut wurde. Die Teilnehmenden kamen aus dem gesamten Wittekindsland, in Einzelfällen sogar darüber hinaus.

Künftig wird die Maßnahme direkt an den Evangelischen Kirchenkreis Herford angebunden und ist als Projektstelle dem kreiskirchlichen Amt für Jugendarbeit zugeordnet. „Diese Arbeit liegt im Interesse der ökumenischen Beziehungen der westfälischen Landeskirche zu Belarus sowie dem dringenden Wunsch, dem wachsenden Antisemitismus in Deutschland entgegenzuwirken“, erklärt Ennen.

Die bisherigen inhaltlichen und praktischen Erfahrungen, die bei den Jugendworkcamps, den Begegnungen mit Überlebenden der belarussischen Kriegsgeneration, aber auch mit Überlebenden des Holocaust gesammelt wurden, sollen um die Begegnung mit jungen Jüdinnen und Juden in Deutschland erweitert werden. „Zielgruppe sind vor allem junge Menschen ab 14 Jahren im Kreis Herford“, erzählt Jaeger. Aber auch für Jüngere und Ältere und sogar über den Wittekindskreis hinaus können Angebote gemacht und Möglichkeiten geschaffen werden. Jaeger: „Ich bin da offen für ganz viele Dinge und würde mich freuen, wenn es bei dem Projekt eine sehr gute Zusammenarbeit mit Schulen gibt.“

Unter dem Motto #2021JLID wird zurzeit 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland gefeiert. Noch immer gibt es Antisemitismus, zurzeit kommt es sogar wieder zu einer Zunahme von antisemitischen Vorfällen, beispielsweise in Form von Verschwörungsmythen oder Shoah-Verharmlosungen auf Demo-Schildern. Ennen: „Die Auseinandersetzung mit rassistischen, antisemitischen oder diskriminierenden Äußerungen und Handlungen, sowie die angemessene Reaktion darauf, stellt eine große Herausforderung dar, mit der wir auch in der kirchlichen Jugendarbeit konfrontiert werden.“

Für Ulrike Jaeger gehört nach eigener Aussage das Fördern von christlich-jüdischem Dialog und das Schaffen von Begegnungen von jungen Menschen mit christlichem und jüdischem Glauben zu den wichtigsten Maßnahmen, um dem Antisemitismus entgegenzuwirken. Jaeger: „Begegnung ist ein Heilmittel für sehr viel. Wenn Menschen eigene Erfahrungen machen, brauchen sie nicht jeden Quatsch nachzuerzählen.“

Weitere Infos zum Projekt und zu Möglichkeiten von Begegnungen und Dialog gibt’s bei der Gemeindepädagogin Ulrike Jaeger, E-Mail: ujaegerdontospamme@gowaway.hotmail.de.

 

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