Herford: Der Evangelische Kirchenkreis Herford gewährt einer afghanischen Journalistin Kirchenasyl

Erstellt am 08.02.2024

Ihr letzte Zuflucht damit sie nicht über Polen nach Afghanistan abgeschoben werden kann

Foto: Diakon Adrian Möller (links) und Agim Ibishi (rechts) vom Diakonischen Werk und sehen im Kirchenasyl für die Afghanin Farishta Akbari die letzte Möglichkeit, deren Abschiebung nach Polen zu verhindern. Die würde vermutlich zur Abschiebung nach Afghanistan führen, wo die Frau gleich dreifach bedroht ist (Foto: Ralf Bittner)

 

Herford (08.02.2024). Farishta Akbari stammt aus Afghanistan. Seit der Machtübernahme durch die Taliban ist sie dort als Frau, Journalistin und als Hazara, einer von Taliban verfolgten schiitischen ethnischen Gruppe, gleich dreifach von Verfolgung und Tod bedroht. Akbari ist einer der Fälle, in denen sich der Evangelische Kirchenkreis Herford entschloss, ihr ein Kirchenasyl als sogenannter Dublin-Fall zu gewähren.

Laut dem Dublin-Verfahren sollen Asylanträge Geflüchteter in dem Land gestellt und bearbeitet werden, das ihre erste Station in Europa war. Akbari droht die Abschiebung durch die deutschen Ausländerbehörden nach Polen. Das Land ist bekannt dafür, dass es - anders als Deutschland - trotz Kenntnis der Situation im Land nach Afghanistan abschiebt.

Die heute 21 Jahre Frau kam nicht als Flüchtende in die EU, sondern hatte Afghanistan schon vor der Machtübernahme durch die Taliban als Studentin verlassen. Sie studierte in Ankara (Türkei) Journalismus und kam über das Erasmus-Programm für ein Auslandssemester nach Polen. Sie war also legal in die EU eingereist, entschied sich aber nach Ablauf ihres Studierendenvisas im Juli 2023 ihren Asylantrag nicht in Polen, sondern in Deutschland zu stellen.

„Ich kannte die polnische Abschiebepraxis nach Afghanistan gut und wusste daher, dass ich dort kaum Chancen auf ein erfolgreiches Asylverfahren haben werde“, sagt die junge Frau beim Gespräch im Diakonischen Werk in fließendem Englisch. In Deutschland führte ihr Weg über Berlin, Bonn, die Landesaufnahmeeinrichtung in Bochum und die Zentrale Ausländerbehörde (ZAB) in Bielefeld in die Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) in Herford. „Hier entstand unser Kontakt zu Frau Akbari“, erzählt Sozialarbeiter und Diakon Adrian Möller von der Diakonie Herford, der unter anderem die Geflüchteten in der ZUE begleitet.

„Wir wägen genau ab, in welchen Fällen Kirchenasyl gewährt werden könne“, sagt Agim Ibishi, Leiter der Migrationsfachdienste des Diakonischen Werks im Kirchenkreis Herford: „Dabei spielen die Erfolgsaussichten ebenso eine Rolle wie die Unterstützung durch das Presbyterium einer Kirchengemeinde.“ Im Fall Akbaris gehe es darum, sie zumindest für eine erste Frist dem Zugriff der deutschen Behörden zu entziehen: laut Dublin-Regeln müssen Antragstellende binnen sechs Monaten in das Land zurückkehren, wo sie zuerst den Boden der EU betreten haben. Verstreicht diese Frist, besteht eine Chance, dass der Asylantrag doch in Deutschland geprüft wird.

„In dem ganzen Dublin-Verfahren geht es nur um die Frage, wo über den Asylantrag entschieden wird, nicht um die Frage, ob er berechtigt ist oder nicht“, sagt Ibishi. Er geht allerdings davon aus, dass die Chancen in Deutschland gut stünden: „Durch die legale Einreise mit dem Studierenden-Visum liegen alle nötigen Papiere vor, und auch die lebensbedrohende Verfolgung durch Taliban lässt sich belegen.“

„Ich habe mich schon in der Türkei gegen die Taliban engagiert und für die Menschenrechte von Frauen in Afghanistan eingesetzt, Beiträge in Zeitungen veröffentlicht, in einem Frauenchor gesungen“, erzählt die junge Frau: „Das alles wissen auch die Taliban. Daher droht mir neben der Verfolgung als Frau und Hazara auch eine gezielte Verfolgung als Systemgegnerin.“ 

Seit der Machtübernahme der Taliban sind Frauen vom gesellschaftlichen Leben, inklusive Schulbesuch in Afghanistan ausgeschlossen. Die Hazara sind zusätzlich von gezielter sexueller Gewalt durch die Taliban betroffen. „Sie holen Frauen und Mädchen aus unseren Häusern, foltern und vergewaltigen sie. Viele nehmen sich nach der Freilassung, falls sie überhaupt zurückkommen, das Leben“, sagt sie. „Laut Amnesty International wird diese Form der Gewalt gegen die sexuelle Selbstbestimmung von den Taliban gezielt als Mittel zur Unterdrückung ethnischer Minderheiten eingesetzt“, sagt Ibishi.

Doch bevor diese Dinge überhaupt Thema in einem Asylverfahren werden, gelte es die letzten Monate bis zum Ablauf der Sechs-Monate-Frist zu überbrücken, sagt Ibishi. Dazu gehört auch die Unterbringung in einer kircheneigenen Wohnung, deren Adresse aus guten Gründen geheim bleibt. „Mit den lokalen Ausländerbehörden haben wir in der Regel guten Kontakt und bisher wurde von den hiesigen Behörden das Kirchenasyl auch immer respektiert“, sagt Ibishi, aber schon bei der ZAB Bielefeld gebe es weit weniger Verständnis.

Der „Umzug“ der jungen Frau aus der ZUE ins Kirchenasyl sei den zuständigen Stellen mitgeteilt worden. Zuletzt sei Eile geboten gewesen, weil die Bundespolizei in der ZUE schon vorstellig geworden sei, um Akbari nach Polen zu bringen, sie aber nicht angetroffen hatte. Erfolgreich könne so ein Kirchenasyl letztlich aber nur sein, wenn sich viele engagieren, sagt Ibishi, der unter Telefon (05221) 59 98 56 Fragen zum Thema beantwortet. 

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