Gottesdienst mit Kindern

Braune Eier - weiße Eier

Braune Eier - weiße Eier

Braune Eier - weiße Eier

# Monatliche Andachten

Braune Eier - weiße Eier

von Diakon Jörg Lange (Pastoralteam der Stephanus-Kirchengemeinde Hiddenhausen)

Auf dem Küchentisch liegen Eier. Einige sind braun, andere weiß. Manche Menschen greifen automatisch zu den weißen. Sie wirken womöglich sauberer, makelloser, irgendwie „edler“. Andere setzen auf die braunen, weil sie doch natürlicher aussehen, „echter“, wie vom Bauernhof. Ich nehme eines von jeder Farbe. Und freue mich an der Vielfalt. Sie fühlen sich gleich an. Gleich schwer. Gleich zerbrechlich. Beim Aufschlagen verschwindet der Unterschied sofort. Beide Eier fließen gelb und klar in die Schüssel. Dass eines einmal braun war und das andere weiß, spielt keine Rolle mehr. Innen gleichen sie sich. Kein Ei ist wertvoller. Keines besser.

 Wir Menschen sind Meister darin, nach der Schale zu urteilen. Nach Farbe, Auftreten, Bildung, Sprache, Frömmigkeit, … Wir sehen, was vor Augen ist. Und ziehen unsere Schlüsse. Oft schnell. Oft endgültig.  Schmerzhaft zeigt sich das im alltäglichen Mobbing. Menschen werden ausgegrenzt, verspottet oder verletzt - wegen ihres Aussehens, ihrer Kleidung, ihrer Stimme, ihrer Sprache oder weil sie „anders“ wirken. Oberflächliche Merkmale werden zu Angriffspunkten. Was nicht dem vermeintlichen Ideal entspricht wird abgewertet.

 Die Bibel widerspricht dieser Logik entschieden. Als der Prophet Samuel einen neuen König salben soll, steht er vor einer Reihe eindrucksvoller Söhne. Groß sind sie, kräftig und überzeugend. Und Samuel denkt: Davon wird es einer sein. Doch Gott unterbricht ihn: „Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an.“ (1. Samuel 16,7b) Gott schaut tiefer. Er bleibt nicht an der Schale hängen. Was für uns unscheinbar wirkt, kann für Gott kostbar sein. Was wir übersehen, kann er erwählen. Was uns nicht ins Bild passt, kann genau das Richtige sein. Gott sieht das Herz an - und hält daran fest. Auch dort, wo es brüchig, widersprüchlich oder unfertig ist.

 Vielleicht ist diese Wahrheit so schlicht wie ein Ei auf dem Küchentisch. Und so herausfordernd zugleich. Dass dieser Vers Menschen bis heute berührt, zeigt sich auch ganz konkret: Auf einer unserer Konfirmanden-Freizeiten haben wieder mehrere Konfirmandinnen und Konfirmanden genau diesen Samuel-Vers zu ihrem Konfi-Spruch gewählt. Wie schön. Offenbar trauen junge Menschen Gott zu, dass er tiefer sieht und anders anschaut. Gerade in einer Welt, in der man schnell bewertet und verglichen wird, tut es gut zu hören: Gott bleibt nicht an der Oberfläche stehen. Und es stellen sich Fragen. Etwa: Wie schauen wir einander an? Und auch: Trauen wir Gott zu, dass er mehr sieht als wir? Am Ende bleiben auf dem Tisch nur leere Schalen zurück. Braune und weiße. Und die Erinnerung daran, dass es nie um die Farbe ging - sondern um den Kern, das Innere, die Mitte.

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