04/04/2026 0 Kommentare
Der stille Samstag
Der stille Samstag
# Monatliche Andachten

Der stille Samstag
von Pfarrerin Renata Pense
Heute ist Karsamstag, ein besonderer Tag. Zwischen dem Tod Jesu am Karfreitag und seiner Auferstehung am Ostersonntag liegt dieser vermeintlich unscheinbare und stille Tag. In der biblischen Überlieferung wird dieser Tag nicht beschrieben. Er ist einfach da und bezeugt den Stillstand zwischen Tod und neuem Leben. Der tote Jesus liegt im Grab, kein Engel ist zu sehen, die Jünger haben sich zurückgezogen, sie sind verängstigt und tief erschüttert, und auch Gott schweigt. Deswegen werden in unseren Kirchen am Karsamstag keine Gottesdienste gefeiert, der Altar ist leergeräumt, die Orgel verstummt. Es ist der Tag ‚dazwischen’: zwischen Tod und Leben, zwischen Schmerz und Freude, zwischen Ende und Anfang, zwischen Zweifel und Glauben.
Vielleicht erinnern wir uns heute an eigene Lebenssituationen, in denen wir warten mussten, ohne zu wissen, wie es weitergeht. In denen wir nichts weiter tun konnten als zu warten; etwa auf eine Diagnose oder ein Prüfungsergebnis oder einfach auf neue und bessere Umstände. Die Unsicherheit eines solchen Wartens ist schwer auszuhalten.
Wenn wir dann wirklich hoffen und vertrauen können, ist uns viel geholfen. Und wir haben allen Grund dazu! Die bekannte biblische Geschichte erzählt uns, dass Jesus die Welt der Toten betritt. Seitdem gibt es keinen Ort mehr, an dem Gott nicht ist und selbst im Tod ist er gegenwärtig. Der Tod wird nicht von außen besiegt, sondern von innen überwunden. So beginnt schon im Verborgenen des Karsamstags das neue Leben. Und wir dürfen neue Hoffnung schöpfen, dass wir auch in Phasen der Unsicherheiten, der Sorgen, Trauer und Ängste nicht allein sind. Dass wir von Gott gesehen und begleitet werden und dass seine Liebe wirklich alles, sogar den Tod, überwindet.
Heute feiern wir wieder die Osternacht um 23 Uhr in der Kirche in Oetinghausen. In diesem Jahr wollen wir es wagen, die Stille und das Abwarten auszuhalten und erst am Ostersonntag die tatsächliche Auferstehung zu feiern. Dabei wird Josef von Arimathäa die Hauptrolle spielen, der sich nach biblischer Überlieferung fürsorglich um den toten Jesus kümmert, ihn vom Kreuz abnimmt und in ein Grab legt. Mit ihm werden wir dort an Jesu Ruhestätte sitzen und die Hoffnung schöpfen, dass er uns auch schon in den dunklen Zeiten ein Licht sein kann. So entfaltet auch der stille Karsamstag eine große Kraft und wir tragen die Liebe des Herrn und sein Licht in unseren Alltag.
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