02/06/2026 0 Kommentare
Herford: Ferienzeit ist Risikozeit / Schutz vor weiblicher Genitalbeschneidung
Herford: Ferienzeit ist Risikozeit / Schutz vor weiblicher Genitalbeschneidung
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Herford: Ferienzeit ist Risikozeit / Schutz vor weiblicher Genitalbeschneidung
Titelfoto: Mitarbeiterinnen der Fachstelle YUNA Westfalen-Lippe
Für manche Mädchen bedeuten die Sommerferien nicht Erholung, sondern Gefahr: Weibliche Genitalbeschneidung (FGM/C) findet häufig während der schulfreien Zeit statt – verborgen im In- oder Ausland. FGM/C ist eine schwere Menschenrechtsverletzung und in Deutschland strafbar. Die Folgen sind oft lebenslang – körperlich und seelisch, darauf weist die Fachstelle YUNA Westfalen-Lippe mit Sitz in Herford hin.
Weibliche Genitalbeschneidung (FGM/C)
Sommerferien – für viele eine Zeit der Erholung und des Reisens. Doch für einige Mädchen bedeutet diese Zeit ein erhöhtes Risiko: Während der schulfreien Wochen kann eine weibliche Genitalbeschneidung (FGM/C) drohen. Durch die fehlende soziale Kontrolle von Lehrkräften, Kita-Fachkräften oder der Jugendhilfe bleiben Warnsignale oft unbemerkt. Gleichzeitig bietet die lange Genesungszeit nach einer Beschneidung den Familien die Möglichkeit, Eingriffe während der Ferien zu verbergen – manchmal sogar durch verlängerte Auslandsaufenthalte oder Krankmeldungen.
FGM/C – Female Genital Mutilation/Cutting – ist eine schwere Menschenrechtsverletzung und in Deutschland strafbar. Dennoch finden sogenannte „Ferienbeschneidungen“ weiterhin statt: in Herkunftsländern mit hoher Prävalenz, in Urlaubsländern, aber auch in europäischen Staaten und vereinzelt in Deutschland. Da die Eingriffe im Verborgenen stattfinden, gibt es kaum belastbare Zahlen.
Die physischen und psychischen Folgen sind gravierend. FGM/C kann zu Infektionen, starken Schmerzen, Problemen beim Wasserlassen oder der Menstruation, Komplikationen bei Geburten und Traumatisierungen führen. In einigen Regionen ist FGM/C eine der weltweit häufigsten Todesursachen für Mädchen – neben Malaria, Tuberkulose oder schweren Infektionen. „Wir sehen immer wieder, wie tiefgreifend die Folgen für die Betroffenen sind – körperlich wie seelisch“, betont eine Mitarbeiterin von YUNA Westfalen-Lippe.
Die zentrale Rolle von Fachkräften und Unterstützungsangeboten
In Deutschland ist nicht nur die Durchführung von FGM/C strafbar, sondern auch Mitwirkung, Überredung oder das Unterlassen von Schutzmaßnahmen. Bis zu 15 Jahre Haft sind möglich. Zudem kann der Verlust des Aufenthaltstitels oder des Sorgerechts drohen. Dennoch bleibt FGM/C ein großes Tabu. „Scham, Unwissenheit, familiärer Druck und Angst vor strafrechtlichen Konsequenzen erschweren es, drohende Beschneidungen zu erkennen“, erläutert eine Mitarbeiterin.
Gerade deshalb kommt Fachkräften eine zentrale Rolle zu. Sie sollten über Prävalenzländer, Risikofaktoren und mögliche Anzeichen informiert sein – besonders vor Ferienzeiten sensibilisiert hinschauen. Hinweise können etwa geplante längere Auslandsreisen, auffällige Krankmeldungen oder starke familiäre Kontrolle sein. Bei Unsicherheiten oder Verdachtsmomenten ist es wichtig, frühzeitig spezialisierte Fachstellen einzubeziehen und gemeinsam das weitere Vorgehen zu planen. Bei akutem Verdacht auf Kindeswohlgefährdung, etwa bei unmittelbar bevorstehender Ausreise, muss das Jugendamt eingeschaltet werden.
Fachkräfte in Kitas, Schulen und Kinderarztpraxen sind oft die ersten Ansprechpersonen für betroffene oder bedrohte Mädchen. Ihre Sensibilisierung ist daher entscheidend. Angebote wie Webinare und Fachkräfteschulungen – etwa von YUNA Rheinland – unterstützen dabei, FGM/C sichtbar zu machen, Risiken zu erkennen und präventiv zu handeln.
„Damit Ferien für alle Mädchen eine Zeit der Unbeschwertheit bleiben können, braucht es Aufmerksamkeit, Wissen und Mut, das Thema anzusprechen“, sind sich alle Mitarbeiterinnen der Fachstelle einig.
Die Arbeit von YUNA Westfalen-Lippe
Seit 2023 setzt sich die Fachstelle YUNA Westfalen-Lippe in Trägerschaft der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen e.V. (EFHiW) für den Schutz, die Beratung und die Prävention von FGM/C ein. Gemeinsam mit YUNA Rheinland bildet sie das NRW-weite Projekt YUNA NRW, gefördert durch das Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration. Das Team unterstützt betroffene und bedrohte Mädchen, Frauen und deren Angehörige – vertraulich, diskriminierungssensibel und bedarfsorientiert. „Für uns ist FGM/C immer ein Teil der Gesamtbiografie. Wir begleiten die Frauen und Mädchen langfristig und ganzheitlich“, erklärt eine Mitarbeiterin.
Die Fachstelle hilft unter anderem bei der Suche nach geschulten Gynäkologinnen, die Beschneidungen für das Bundesamt attestieren, klärt über medizinische Unterstützungsmöglichkeiten auf und vermittelt bei Bedarf an Anwältinnen, Psycholog*innen oder spezialisierte medizinische Angebote. Auch Workshops für Betroffene und Angehörige gehören zum Angebot.
Kontakt
YUNA Westfalen-Lippe
Fachstelle zur Prävention und Beratung bei weiblicher Genitalbeschneidung (FGM/C)
- Bielefelder Str. 25, 32051 Herford
- Tel.: 05221 1225535
- E-Mail: info@yuna-westfalen-lippe.de
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