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Herford: Schutz für Betroffene von Menschenhandel in Ostwestfalen-Lippe unter Druck

Herford: Schutz für Betroffene von Menschenhandel in Ostwestfalen-Lippe unter Druck

Herford: Schutz für Betroffene von Menschenhandel in Ostwestfalen-Lippe unter Druck

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Herford: Schutz für Betroffene von Menschenhandel in Ostwestfalen-Lippe unter Druck

Titelfoto: Zentrale Anliegen – auch die in der Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit – konnten die Mitarbeitenden von NADESCHDA trotz knapper Ressourcen weiterhin gewährleisten.


Als Amina die Tür der Schutzwohnung hinter sich schloss, war es der erste Moment von Ruhe seit Monaten. Keine Drohungen, keine Kontrolle, kein Zwang. Für die junge Frau begann ein vorsichtiger Neuanfang. Sie ist eine von 64 Frauen, die im Jahr 2025 von der Frauenberatungsstelle für Betroffene von Menschenhandel in Ostwestfalen-Lippe, NADESCHDA, begleitet wurden. Die Beratungsstelle hat ihren Sitz in Herford.

Im Jahresbericht 2025 zeigen die Beraterinnen eindrücklich, wie unverzichtbar die Arbeit von NADESCHDA in Ostwestfalen-Lippe ist. Die Evangelische Frauenhilfe in Westfalen e.V. (EFHiW) ist Trägerin der Frauenberatungsstelle und setzt sich seit Jahrzehnten für Frauenrechte ein. Neben 64 Frauen unterstützte die Beratungsstelle auch 27 Kinder aus insgesamt 23 Nationen. Viele von ihnen sind vor Krieg, Armut, Zwangsheirat oder Genitalbeschneidung geflohen und wurden nicht nur in Europa Opfer von sexueller Ausbeutung. „Der Weg in ein selbstbestimmtes Leben ist lang und selten geradlinig,“ fasst eine der Beraterinnen die Situation der Frauen zusammen, „umso wichtiger sind verlässliche Schutzstrukturen.“

Doch genau diese geraten zunehmend ins Wanken. Durch den Wegfall von Fördermitteln des Bundes musste in der Beratungsstelle eine halbe Stelle wieder abgebaut und eine von drei Schutzwohnungen geschlossen werden. Die Einsparung an dieser Wohnung bedeutet in der Praxis: weniger Platz für Frauen in akuten Gefahrensituationen und weniger geschützter Raum, fern von Kontrolle und Gewalt.

Auffällig ist zudem ein kontinuierlicher struktureller Wandel in der Vermittlung der Klientinnen: Aktuell noch drei Prozent der Frauen kamen 2025 über die Polizei zur Beratungsstelle. Früher lag dieser Anteil bei rund 75 Prozent. Heute sind es vor allem Beratungsstellen, Unterkünfte, Selbstmeldungen und persönliche Kontakte, die den Zugang ermöglichen. Somit werden niedrigschwellige Angebote, Vertrauen in die Beraterinnen und Vernetzung immer bedeutsamer, gerade für Frauen, die staatlichen Stellen oft mit großer Angst begegnen.

Zentrale Angebote konnten die Beraterinnen trotz knapper Ressourcen weiterhin gewährleisten. Die psychologische Beratung und Krisenintervention, für viele traumatisierte Frauen unverzichtbar, konnte durch eine großzügige Spende des Bezirksverbandes der Evangelischen Frauenhilfe Herford weitergeführt werden. Ebenso blieb die psychosoziale Prozessbegleitung in Strafverfahren ein wichtiger Bestandteil der Arbeit. In mehreren großen Menschenhandelsverfahren begleiteten die Fachfrauen von NADESCHDA Zeuginnen vor Gericht und halfen ihnen, ihre Rechte wahrzunehmen und die belastenden Verfahren zu bewältigen. 

„Ohne verlässliche Unterstützung aus Politik und Gesellschaft drohen genau jene Strukturen zu bröckeln, die Frauen wie Amina einen sicheren Neuanfang ermöglichen,“ sind sich die Beraterinnen sicher. 

Weitere Infos zur Arbeit unter: www.nadeschda-owl.de

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