08/09/2026 0 Kommentare
Herford: Wenn Michelangelos Bilder eine Kirche verwandeln / "LichtRaum Petri" vom 2. Oktober bis 30. Dezember 2026
Herford: Wenn Michelangelos Bilder eine Kirche verwandeln / "LichtRaum Petri" vom 2. Oktober bis 30. Dezember 2026
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Herford: Wenn Michelangelos Bilder eine Kirche verwandeln / "LichtRaum Petri" vom 2. Oktober bis 30. Dezember 2026
Titelbild: Impression aus der Petri-Kirche, Herford
Wie können Kirchen Menschen heute neu berühren? Wie lassen sich christlicher Glaube, Kunst und Spiritualität so erzählen, dass sie die Lebenswelt sowie die Seh- und Hörgewohnheiten unserer Zeit erreichen?
Mit dem LichtRaum Petri entsteht in der Petrikirche Herford ein außergewöhnliches Projekt. Die Evangelische Kirche von Westfalen, die Evangelische Kirche in Deutschland, der Kirchenkreis Herford und die Evangelisch-reformierte Petri-Kirchengemeinde setzen dieses Vorhaben gemeinsam um. Den Auftakt bildet die Produktion „Michelangelo – zwischen Himmel und Erde. Eine immersive Reise durch die Sixtinische Kapelle“.
Gerade in einer Zeit rückläufiger Kirchensteuereinnahmen kann der LichtRaum Petri zu einem Leuchtturmprojekt werden. Er zeigt, was möglich ist, wenn Kirche, Stiftungen, Unternehmen, Spenderinnen und Spender sowie viele engagierte Ehrenamtliche ihre Kräfte bündeln. Gemeinsam schaffen sie ein nachhaltiges Angebot, das Menschen berührt, neue Zugänge zum christlichen Glauben eröffnet und den Kirchenraum auf überraschende Weise erfahrbar macht.
Zwischen Gottesdienst, Kunst und Konzert
„Ausstellung“ ist für das, was in der Petrikirche entsteht, eigentlich nicht das richtige Wort. Das Erlebnis bewegt sich zwischen Gottesdienst, Kunstinstallation, Konzert und immersiv erzählter Geschichte. Bilder, Musik, Sprache und Kirchenraum verbinden sich zu einer rund 45-minütigen Reise.
Für die multimediale Installation wurden 16 Laserprojektoren, ein Hochleistungsserver, vier Lautsprecher für ein quadrophonisches Klangerlebnis sowie zwei eigens gebaute Subwoofer in der Kirche installiert. Dadurch wird nahezu der gesamte Kirchenraum zur Leinwand: Wände, Bögen, Gewölbe und Boden werden Teil der Inszenierung. Licht wird zu Farbe, der Klang bewegt sich durch den Raum – und mitten darin entfalten sich Bilder und Geschichten.
Die besondere Lebenssituation Michelangelos bildet die Rahmenhandlung des Storyboards: sein Ringen mit dem Auftrag, seine Zweifel und Konflikte, aber auch seine künstlerische Kraft und seine Suche nach Freiheit. Nach und nach leuchten die Fresken der Sixtinischen Kapelle im wahrsten Sinne des Wortes in der Petrikirche auf. Ihre biblischen Geschichten und theologischen Aussagen werden nicht nur erklärt, sondern räumlich, musikalisch und emotional erfahrbar.
So begegnen die Besucherinnen und Besucher Michelangelos Theologie und Spiritualität auf besondere Weise. Die großen Themen seiner Bilder – Schöpfung, Freiheit, Scheitern, Gericht, Hoffnung und Neuanfang – werden in Beziehung zum eigenen Leben gesetzt. Der historische Kirchenraum ist dabei nicht nur Kulisse, sondern wird selbst Teil der Erzählung.
Eine eigene musikalische Welt
Die eigens für die Produktion entstehende Filmmusik wird von Kirchenmusiker Leon Kleemeier komponiert, arrangiert und eingespielt. Seine musikalische Klangsprache verbindet Alte und Neue Musik, unterschiedliche Stilrichtungen und atmosphärische Klangwelten.
Dabei ist die Musik weit mehr als eine Begleitung: Sie trägt die Geschichte, verstärkt ihre emotionalen Momente und verbindet die einzelnen Szenen zu einer großen musikalischen Erzählung. Gespielt wird sie auf der hybriden Orgel der Petrikirche, dem großen Konzertflügel und verschiedenen Synthesizern.
Als Stimmen der Produktion sind Lisa Ueberschaer und Pfarrer Bodo Ries zu hören.
Ein Modell auch für andere Kirchen?
Der LichtRaum Petri ist nicht als einmaliges Veranstaltungsprojekt gedacht. Die technische Infrastruktur bleibt dauerhaft in der Petrikirche und kann künftig für weitere immersive Produktionen, Gottesdienste, Konzerte, Bildungsangebote und Kooperationen genutzt werden.
Das Projekt entwickelt damit neue Formen kirchlicher Spiritualität. Es nimmt die Digitalisierung und die veränderten Seh- und Hörgewohnheiten der Menschen ernst, ohne die christliche Botschaft zu vereinfachen. Vielmehr entstehen neue Wege, über den Glauben nachzudenken, biblische Geschichten zu erzählen und die spirituelle Kraft eines Kirchenraums zu entdecken.
Wenn sich dieses Modell bewährt, könnte es auch für andere Kirchen interessant werden. Immersive Kunst bietet die Chance, große Kirchenräume neu zu erschließen, ihre geistlichen Inhalte zeitgemäß zu erzählen und Menschen anzusprechen, die mit klassischen kirchlichen Formaten bislang nur wenig Berührung haben.
Zeit, Ort, Tickets
„Michelangelo – zwischen Himmel und Erde“ ist vom 2. Oktober bis zum 30. Dezember 2026 in der Petrikirche Herford zu erleben.
Tickets sind ab sofort in der Tourist-Information Herford sowie im Online-Ticketshop erhältlich.
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