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Löhne: Lesung in Mennighüffen brach Zeitgrenzen auf

Löhne: Lesung in Mennighüffen brach Zeitgrenzen auf

Löhne: Lesung in Mennighüffen brach Zeitgrenzen auf

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Löhne: Lesung in Mennighüffen brach Zeitgrenzen auf

Titelfoto: Frank Meier-Barthel von der Evangelischen Erwachsenenbildung bei der Lesung in Mennighüffen.

„Diese Veranstaltung ist ein Experiment“, begrüßte Frank Meier-Barthel von der Evangelischen Erwachsenenbildung im Kirchenkreisverband Herford, Lübbecke, Minden und Vlotho das Publikum im Gemeindehaus Mennighüffen. Die Evangelische Erwachsenenbildung und das Rumpelstilzchen-Literaturprojekt hatten gemeinsam mit Ehrenamtlichen der Kirchengemeinde zu einer Lesung westfälischer Lyrik eingeladen. Mehr als 30 Gäste begleiteten dieses „Experiment“.

Unter dem Titel „Zeitgrenzen aufbrechen“ präsentierten fünf Autorinnen und Autoren gemeinsam mit Frank Meier-Barthel westfälische Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Ausgangspunkt war die von Michael Hellwig, Initiator des Rumpelstilzchen-Literaturprojekts, im vergangenen Jahr herausgegebene Anthologie „Zeitgrenzen aufbrechen“. „Wir haben uns gefragt, wie heutige Autorinnen und Autoren Texte ihrer Vorgängerinnen und Vorgänger lesen und wie sie schreibend darauf reagieren“, erläuterte er das Projekt.

Dafür wurden in Zusammenarbeit mit westfälischen literarischen Gesellschaften und der Literaturkommission für Westfalen jeweils zwei Gedichte, Kurzprosatexte oder Theaterszenen von 14 westfälischen Schriftstellerinnen und Schriftstellern des 18. bis frühen 20. Jahrhunderts zusammengestellt und heutige Autorinnen und Autoren eingeladen, dazu „Antworten“ zu formulieren. Dieser Einladung folgten 52 Autorinnen und Autoren aus ganz Deutschland sowie aus Österreich und Italien.

Melanie Babenhauserheide, Ulrike Schönfelder-Hellwig, David Baaske, Nicolas Bröggelwirth und Michael Hellwig stellten eine kleine Auswahl der Projektergebnisse vor. Dabei lasen sie nicht nur ihre eigenen Texte, sondern auch die anderer am Projekt Beteiligter. Der älteste Schriftsteller, der an diesem Abend vorgestellt wurde, war Johann Heinrich Jung-Stilling (1740–1817), die jüngste Schriftstellerin Jenny Aloni (1917–1993). Das Spektrum reichte von der Sehnsucht der 19-jährigen Annette von Droste-Hülshoff, aus den von der Gesellschaft auferlegten Fesseln ausbrechen zu können, über weitere autobiografische Texte (Jung-Stilling und Aloni) bis hin zu explizit politischen, zur Entstehungszeit revolutionären Werken wie Georg Weerths „Hungerlied“.

Die dazu entstandenen modernen Reaktionen zeigten, wie sehr die jeweils eigenen biografischen Hintergründe und Erfahrungen das Schreiben beeinflussen. Das Publikum war von der Vielfalt der Ursprungstexte und der literarischen Reaktionen beeindruckt. Nicht nur, weil es sehen konnte, wie unterschiedlich die Reaktionen auf dieselbe Vorlage ausfallen können, sondern auch, weil es Schriftstellerinnen und Schriftsteller „entdecken“ konnte, von denen es zuvor kaum etwas gehört hatte. „Auch wir kannten die meisten vorher noch nicht“, räumte Michael Hellwig ein.

Ergänzt wurde das Programm durch einen Vortrag von Frank Meier-Barthel über Hertha Koenig, die viele Zuhörerinnen und Zuhörer kannten, da sie aus dem Kreis Herford stammte. Im Zentrum seines Vortrags standen Hertha Koenigs Begegnung mit Rainer Maria Rilke sowie Pablo Picassos Gemälde „Die Gaukler“, das sie viele Jahre begleitete.

Die Ehrenamtlichen der Kirchengemeinde um Stefanie Lindemann hatten kühle Getränke und Weingummi vorbereitet und dem Raum eine angenehme Atmosphäre verliehen. Am Ende des Abends waren sich Publikum und Veranstalter einig, dass das „Experiment“, als das die Lesung angekündigt worden war, ein Erfolg gewesen war.

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