Gottesdienst mit Kindern

Kreis Herford / Indonesien: Reisetagebuch der Delegationsreise zur Karo-Batak-Kirche im September 2026

Kreis Herford / Indonesien: Reisetagebuch der Delegationsreise zur Karo-Batak-Kirche im September 2026

Kreis Herford / Indonesien: Reisetagebuch der Delegationsreise zur Karo-Batak-Kirche im September 2026

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Kreis Herford / Indonesien: Reisetagebuch der Delegationsreise zur Karo-Batak-Kirche im September 2026

Delegationsreise vom 7. bis 21. September 2026

Seit mehr als 40 Jahren verbindet den Evangelischen Kirchenkreis Herford und den Kirchenkreis Sinabun der Karo-Batak-Kirche (GBKP) eine Partnerschaft. Im September reist eine sechsköpfige Delegation aus dem Kirchenkreis Herford nach Nordsumatra. In unserem Online-Reisetagebuch berichten Herbert Busch-Prüßing, Ann Sophie Blaschke, Matthias Rohlfing, Lisa Krüger, Gerhard Niemann und Melissa Buba-Steffen von Begegnungen, Gesprächen und Eindrücken.

Die Informationen stammen unter anderem von Pfarrer Matthias Rohlfing und wurden vom Webseiten-Redaktionsteam des Kirchenkreises Herford redaktionell bearbeitet und veröffentlicht.

Nachfolgend stehen die neuesten Einträge jeweils oben.


Tag 14: Sonntag, 20. September

Das wohlhabende Gemeindeglied (siehe 19. September) ist der Vorsitzende des Gemeindevorstandes der Gemeinde, in der wir heute Gottesdienst feiern. Wir sind bei ihm zu Hause zum Frühstück eingeladen. Das Haus ist groß, mit viel Marmor und Hochglanz. So muss es doch sein, dass die Reichen mit ihrem Reichtum die Gemeinde unterstützen! Unser Gastgeber legt heute jedenfalls Wert darauf, uns ein möglichst deutsches Frühstück zu bieten: Toast, Nutella und Marmelade, leckere Croissants und Äpfel stehen auf dem Tisch.

Die Gemeinde ist nicht weit entfernt und trifft sich in einem ehemaligen Café, das sie angemietet hat. Später erfahren wir, dass sie sich nach einem Streit geteilt hat. Die Konfliktlinien gehen mitten durch Familien. Mein Eindruck ist, dass Theo, der hier Pastor ist, diese Situation sehr belastet.

Ich darf wieder predigen, was ich gerne tue. Ich würde aber auch gern einmal Predigten meiner Kollegen aus Sinabun erleben. Vielleicht könnte ich dann besser einschätzen, wie das, was ich sage, hier eigentlich gehört wird.

Danach sitzen wir vorne in einer Reihe wie bei einer Pressekonferenz und dürfen uns vorstellen und berichten, wie Gemeinde bei uns in Herford funktioniert. Unser Kirchensteuersystem, die Art der Gemeindemitgliedschaft, die Gründe für den Mitgliederrückgang – all das ist gar nicht so einfach zu erklären in einer Kirche, die ziemlich anders funktioniert.

Aber global betrachtet sind nicht die Kirchen hier die Sonderlinge, sondern wir in Deutschland. So gesehen ist die Entwicklung bei uns vielleicht nur eine Rückkehr zu einer „normaleren“ Funktionsweise von Kirche. Vielleicht haben wir einen zwar komfortablen, aber langfristig nicht unbedingt gesunden Weg beschritten.

Anschließend kommt wieder das Unvermeidliche: Satu, dua, tigaaa!

Zum Mittag kehren wir in ein chinesisches Restaurant ein. Der Tisch steht voll mit Speisen, an denen wir uns alle bedienen. Nicht alles lässt sich eindeutig definieren. Es macht Spaß, einfach mal alles auszuprobieren. Nur bei den Hühnerfüßen tun wir uns etwas schwer. Unsere Gastgeber schauen schmunzelnd zu.

Bevor es zum Flughafen geht, machen wir noch einen Zwischenstopp an einer katholischen Kirche, die in einem hinduistisch geprägten Baustil errichtet wurde. Was mich nachdenklich macht, ist die Bilderwelt, die uns hier begegnet. Im Prinzip sind es Comics: Statuen an den Wänden, Bilder in den Fenstern – bunt, actionreich, große Augen, starke Gesichtszüge.

Es scheint zu funktionieren. Die Menschen kommen nicht nur als Touristen, sondern auch zum Beten. Unsere Kirchenfensterbilder kann man manchmal kaum Konfis erklären. Ist das hier vielleicht die zukünftige Bildsprache von Kirche?

Und immer noch ist Theo bei uns, dazu weitere Mitglieder der Ökumeneabteilung und des Gemeindevorstandes. All diese Menschen nehmen sich so viel Zeit für uns, obwohl sie doch sicher auch anderes zu tun hätten! Und sie beteuern immer wieder, dass es ihnen eine Ehre sei.

Ist das „nur“ kulturell bedingt oder stecken auch Erwartungen dahinter? Wer kann des Menschen Herz ergründen? Auch unser eigenes!

Wir lassen uns ganz darauf ein, freuen uns über Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Interesse, stellen unsere Fragen und sind bereit, in die entstehenden Beziehungen zu investieren – ohne etwas zu versprechen, von dem wir nicht wissen, ob wir es halten können. Vielleicht gibt es ja schon bald einen Gegenbesuch.

Zum Abschluss werden wir noch auf einen Kaffee bei Starbucks eingeladen und tauschen uns ein letztes Mal aus. Gute Wünsche, Geschenke, Fotos, Winken und Umarmungen.

Dann werden wir endgültig vom Flughafen verschluckt.

Was nehmen wir mit?

  • Eine Projektidee und die Aussicht auf einen Gegenbesuch.

  • Starke Eindrücke von Natur, Kultur, Menschen und Gemeinden.

  • Den Mut, Kirche anders zu denken: mit mehr Zuwendung zu Menschen in Not und flacheren Hierarchien.

  • Den Willen, uns den immer noch lauernden kolonialen Habitus abzugewöhnen.

  • Ein bisschen Stolz darauf, Beziehungen ans andere Ende der Welt geknüpft zu haben.

  • Und den Wunsch, noch besser zu verstehen.

Unsere Reise war nur der (Neu-)Anfang.

Tag 13: Samstag, 19. September

Jetzt geht alles auf den Abschied zu. Ich werde diese Tage vermissen, an denen ständig etwas Unerwartetes passieren kann.

Heute Morgen nach dem Frühstück haben wir in der Gruppe unsere Reise reflektiert. Insgesamt sind wir sehr glücklich und dankbar. Aber ein paar Dinge haben wir doch notiert, die wir berücksichtigen wollen, wenn einmal eine Delegation aus Indonesien zu uns nach Deutschland kommt.

Pünktlich um 11 Uhr schließt die Synode. Wir werden noch einmal nach vorne gebeten und mit warmen Worten und Geschenken überhäuft. Natürlich schließt sich wieder eine Fotosession an. Wir können gar nicht genug bekommen von: „Satu, dua, tigaaa!“ Eins, zwei, drei – und bei drei wird gelächelt!

Nach dem Mittagessen folgt eine weitere Reflexionsrunde, diesmal gemeinsam mit dem Kreis-Synodalvorstand Sinabun und der Ökumeneabteilung der GBKP.

Einmal mehr wird deutlich, wie viele Gedanken sich unsere Partner gemacht haben, um uns einen schönen Besuch zu bereiten. Wir erstellen noch schnell eine gemeinsame WhatsApp-Gruppe und versprechen, miteinander in Kontakt zu bleiben. Nach weiteren Fotos, Umarmungen und viel Winken rollen wir schließlich in unserem gelben Bus vom Hof.

Die Fahrt nach Medan kennen wir schon vom Beginn unserer Reise. Nun erleben wir sie allerdings bei Tageslicht: eine überfüllte Straße, die sich in endlosen Serpentinen durch den Dschungel rund 1.300 Höhenmeter bergab schlängelt.

Medan ist die drittgrößte Stadt Indonesiens und hat ein unglaubliches Verkehrsaufkommen. Motorroller und kleine Motorräder machen im Grunde das Gleiche wie die Autos, nur viel erfolgreicher: Sie schlängeln sich durch den Verkehr. Ständig werden wir von links und rechts überholt.

Auf den Rollern sitzen hauptsächlich junge Menschen, aber auch Ältere und ganze Familien: zwei, drei, manchmal vier Menschen auf einem Roller, oft ohne Helm und teilweise ohne Beleuchtung. Bei dem warmen Wetter ist es wahrscheinlich einfach das beste Fortbewegungsmittel. Es muss herrlich sein, sich dabei den warmen Wind durchs T-Shirt flattern zu lassen.

Als wir aussteigen, ist es, als tauchten wir in eine feuchte, warme Soße. Wir sind wieder auf Meereshöhe, und hier am Äquator ist es nicht nur sehr heiß, sondern auch die Luft unglaublich feucht. Also schnell die Koffer aufs Hotelzimmer bringen.

In einem sehr luxuriösen Auto eines wohlhabenden Gemeindegliedes fahren wir anschließend noch einmal eine knappe Stunde durch den Verkehr zu einem Restaurant. Schon die Fahrt ist ein Erlebnis.

Eigentlich ist es eher ein Imbiss – aber ein riesengroßer. Drinnen ist es wuselig. Unser Gastgeber erklärt schmunzelnd, dass er uns einmal ein richtig indonesisches Restaurant zeigen wollte. Gerade als wir feststellen, dass es hier doch ziemlich laut ist, ertönen über Lautsprecher Ansagen wie auf einem Bahnhof, die den Geräuschpegel noch einmal steigern. Nur der dröhnende Geburtstagssong, der gleich zweimal eingespielt wird, kann das noch übertönen.

Auch das Essen ist besonders. Wir probieren Zackenbarsch und Ananas-Mangold-Saft. Anschließend werden wir unter großen Regenschirmen wieder zum Auto geleitet.

Morgen sollen wir schon um 6.30 Uhr parat stehen.

Also: schnell ins Bett.

Tag 12: Freitag, 18. September

Kreissynode unter Freunden

Heute ist Kreissynode. Sie ist einer der Gründe, warum wir die Reise gerade jetzt machen.

Schon im Eröffnungsgottesdienst staunen wir wieder über den kräftigen Gesang. Schwungvolle Musik kommt nicht nur vom Keyboard, sondern auch vom Posaunenchor. Gemeinsames Musizieren und Instrumentenspenden standen in früheren Jahren immer wieder im Mittelpunkt unserer Partnerschaft.

So manche Melodie kennen wir. Also suchen wir schnell auf dem Handy nach dem passenden deutschen Text und singen mit.

Ein Lied passt an diesem Morgen ganz besonders. Die Synodalgemeinde singt es uns zu Ehren sogar auf Deutsch: „Möge die Straße uns zusammenführen … Sanft falle Regen auf deine Felder …“

Dann sind wir dran. Wir stellen uns der Reihe nach vor und erklären unsere Partnerschaftskerze, bevor wir sie überreichen. Anschließend sehen wir einen Videogruß, den uns unser Superintendent Dr. Olaf Reinmuth mitgegeben hat.

Danach erzählt jeder von uns von einer Sache, die ihm auf dieser Reise wichtig geworden ist. Und ich staune: Wir hören vom chaotischen Straßenverkehr, der uns lehrt, aufeinander zu achten. Davon, wie Mut belohnt wird und welche neuen Gedanken hängen geblieben sind. Wir hören von Erkenntnissen aus der Landwirtschaft und davon, wie schwer es sein kann, kolonial geprägte Denkweisen zu überwinden.

Ich staune vor allem deshalb, weil unsere Delegationsteilnehmer so mutig und gleichzeitig so bescheiden erzählen. Der ganze Saal lacht, nickt oder raunt. Das gibt uns einmal mehr das Gefühl, bei Freunden zu sein.

Ob uns das in Deutschland mit indonesischen Delegationen auch so gut gelingt? …

Und schließlich folgt unser Dank – sichtbar in weiteren Rucksäcken, die wir dem KSV überreichen.

Zu Besuch bei „Alpha Omega“

Der Nachmittag ist für „Alpha Omega“ reserviert, eine Einrichtung für Menschen mit Behinderungen. 85 Menschen, hauptsächlich mit geistigen Beeinträchtigungen, leben hier und werden von 60 Mitarbeitenden begleitet.

Zur Einrichtung gehören eine Rinder- und Schweinehaltung, eine Biogas- und eine Kompostierungsanlage, Kaffeeanbau sowie ein Café in der Stadt. Dort finden die Bewohnerinnen und Bewohner ihren Fähigkeiten entsprechende Arbeit. Gleichzeitig werden zusätzliche Einnahmen für die Einrichtung erwirtschaftet.

Nicht alles scheint wirklich gut zu funktionieren. Hauptsächlich lebt die Einrichtung von Spenden der Gemeinden und von Beiträgen der Familien der Bewohnerinnen und Bewohner. Wirtschaftlich geht es jedoch vielen Familien in der Region nicht gut – auch wegen des Vulkanausbruchs.

Es gibt eine Partnerschaft mit einem Dorf in Holland und mit der Stiftung Eben-Ezer in Lemgo. Auf diesem Weg findet auch fachlicher Austausch statt. Trotzdem reichen die Mittel nicht aus. Den Wunsch nach weiterer Unterstützung hören wir jedenfalls deutlich heraus.

Wir freuen uns, dass Spenden aus dem Kirchenkreis Herford aus dem Jahr 2020 genutzt wurden, um eine große Küche mit Lagerraum neu zu errichten. Viele Säcke Reis, Obst und Gemüse, Eier und andere Lebensmittel lagern hier. Sie werden von den unterstützenden Gemeinden als Naturalien gespendet.

Anschließend werden wir noch in das Café der Einrichtung eingeladen.

Tag 11: Donnerstag, 17. September

Eine Idee für die Landwirtschaft – und zwei Kerzen

Auch den Donnerstagvormittag verbringen wir im und auf dem See. Um 13 Uhr wartet schon unser gelber Schulbus auf uns und bringt uns bis zum Abend zurück nach Kabanjahe.

Dort treffen wir Christmas Barus und den KSV. Es geht um die Idee für ein gemeinsames Projekt. Der landeskirchliche Referent für Landwirtschaft stellt uns ein Kompost-Projekt vor.

Ein Kompostwerk gibt es bereits, allerdings weit entfernt von Sinabun. Die Erfahrungen damit seien gut. Wir bekommen kleine Tütchen mit einer Probe in die Hand: ein feines, geruchsfreies Granulat.

75 Prozent der Karonesen arbeiten in der Landwirtschaft. Gleichzeitig lässt die Fruchtbarkeit der Böden nach und der Regen fällt nicht mehr so üppig wie früher. Ein ökologischer und günstiger Dünger könnte den Bauern deshalb helfen. Eine Kompostierungsanlage, in der auch Schulungen stattfinden könnten, würde einschließlich Maschinen und Grundstück etwa 30.000 Euro kosten, sagt man uns.

Christmas Barus betont, dass die Kirche mit einem solchen Projekt bei den Menschen und ihren Nöten sein wolle. Nur so könne die christliche Botschaft für die Menschen glaubhaft und nachvollziehbar sein.

Für uns bleiben noch viele Fragen offen. Gleichzeitig haben wir schon Ideen, wer Fachwissen zu diesem Thema beitragen könnte. Es bleibt ein interessantes Projekt, das wir dem Partnerschaftskreis vorschlagen wollen.

Dann stellen wir eine Idee vor, die wir aus Herford mitgebracht haben: Wir haben eine Kerze gestaltet, die künftig reihum in den verschiedenen Gemeinden Sinabuns sonntags auf dem Altar angezündet werden soll. Im Gottesdienst kann dabei an die Partnerschaft gedacht, für sie gebetet oder von Begegnungen erzählt werden.

Und wir haben noch eine zweite Kerze samt Bastelmaterial mitgebracht – mit der Bitte an den KSV, sie für uns zu gestalten.

Basteln scheint für unsere Gastgeber eher eine ungewohnte Tätigkeit zu sein. Aber sie schlagen sich tapfer und lachen über manchen kleinen Ausrutscher. Wir finden jedenfalls: Das Ergebnis kann sich sehen lassen!

Leicht zu erkennen ist der Vulkan. Darunter steht das Wort „Rambo“ – eine Erinnerung an den Geländewagen, mit dem wir durch den Dschungel gefahren sind. Dazu kommen eine nette Freundschaftserklärung und Jesaja 6,8, der Leitvers der GBKP.

Wir werden diese Kerze in Ehren halten und auch in unserem Kirchenkreis sonntags anzünden.

Es ist 22 Uhr, bis wir schließlich auf unsere Zimmer gehen.

Tag 10: Mittwoch, 16. September

Augenhöhe ist gar nicht so einfach

Ein Tag ganz ohne Programm ist dann doch langweilig. Also fahren wir zu „Batu Kursi Raja Siallagan“. Dort stehen rund 200 Jahre alte Steinstühle, auf denen früher Gericht gehalten wurde, außerdem gibt es einige traditionelle Häuser zu sehen.

Viele Informationen dazu finden wir nicht. Die Zahl der Exponate ist überschaubar, dafür ist der anschließende Touristenmarkt umso größer. „Hello Mister, everything 10.000 Rupiah only!“ – umgerechnet etwa 50 Cent. Einfach nur schlendern und gucken ist fast unmöglich. Andere Touristen sind kaum da. Auch traditionelle Kleidung für ein Gruppenfoto anzuziehen, ist nicht so unser Ding.

In einer Unterhaltung mit unserem Busfahrer per DeepL versuche ich später, Worte für ein Gefühl zu finden, das mich beschäftigt: Unsere europäischen Vorfahren haben dieses Land ausgebeutet und einen Reichtum angehäuft, dessen Folgen bis heute spürbar sind. Wir sind hierhergekommen, um gemeinsam zu lernen, wie wir diese Welt zu einem besseren Ort machen können. Wenn ich aber den Eindruck bekomme, behandelt zu werden, als wäre ich etwas Besseres, sind die alten Rollen plötzlich wieder da. Und dann wird gemeinsames Lernen schwierig.

Wo endet Gastfreundschaft und wo beginnen koloniale Rollenmuster?

Ich laufe hier als unverschämt reicher Mensch herum – reich auch durch eine Schuldgeschichte, die sich bis heute, nicht zuletzt in wirtschaftlichen und globalen Handelsbeziehungen, fortschreibt. Das mit der Augenhöhe ist gar nicht so leicht …

Umso angenehmer ist es, dass wir bei unseren Partnerinnen und Partnern in Sinabun zu keiner Zeit den Eindruck hatten, dass sie uns um Spenden bitten.

Den Rest des Tages verbringen wir mit Pause am Pool, Lesen, Kaffeetrinken und Tagebuchschreiben.

Tag 9: Dienstag, 15. September

Ein bisschen Urlaub am Tobasee

Der Tobasee ist das Überbleibsel eines gigantischen Vulkanausbruchs vor vielen Tausend Jahren. Heute ist er eines der bekanntesten Reiseziele Sumatras – und auch wir machen uns auf den Weg dorthin.

Diesmal sind wir ohne Albert unterwegs. Bei der Kommunikation mit unserem freundlichen Busfahrer Raka sind wir deshalb auf den DeepL-Übersetzer angewiesen. Aber auch das funktioniert erstaunlich gut.

Wir nehmen die Fähre und erreichen nach insgesamt viereinhalb Stunden die Tabo Cottages. Es ist wunderschön hier – und ein bisschen luxuriös. Sofort fällt eine Anspannung von mir ab, von der ich vorher gar nicht wusste, dass sie da war.

Raka laden wir noch zu Kaffee und Kuchen (!) ein. Er erzählt uns, dass er schon oft Deutsche hierhergebracht habe, aber noch nie so freundlich behandelt worden sei. Warum sind die Deutschen so??

Die Cottages werden von Deutschen geführt. Deshalb gibt es Kaffee, Kuchen und Brot fast wie zu Hause. Der Service ist hervorragend. Danach geht es erst einmal in den Pool. Und natürlich probieren wir auch den Tobasee aus – der ist sogar noch wärmer!

Tag 8: Montag, 14. September

Im Schatten des Vulkans Sinabung

Der heutige Tag steht ganz im Zeichen des Vulkans Sinabung. Der fast gleichnamige Kirchenkreis liegt rund um den Vulkan, der nach rund 600 Jahren Ruhe 2010 wieder ausbrach und in den folgenden Jahren immer wieder aktiv war.

Unterwegs gibt es zunächst zwei ungeplante Begegnungen. Wir halten bei einer Hochzeitsfeier und werden kurzerhand zum Gruppenfoto mit dem Brautpaar in traditioneller Kleidung eingeladen. Später besuchen wir eine Schlangenfrucht-Plantage und bekommen einen weiteren Einblick in die Landwirtschaft der Region.

Anschließend erreichen wir die zukünftige Zentrale des Kirchenkreises Sinabun, die derzeit noch eine Baustelle ist. Dort treffen wir Pfarrerinnen und Pfarrer, Vikarinnen und Vikare sowie Praktikantinnen und Praktikanten. In persönlichen Gesprächen erfahren wir viel über ihre Situation. Ein junger Pfarrer erzählt, dass er nach seinem fünfjährigen Theologiestudium acht Jahre auf eine Stelle warten musste. Besonders beeindruckt uns auch die Begegnung mit einem blinden Pfarrer. Dass heute auch Menschen mit Behinderungen in den kirchlichen Dienst aufgenommen werden, ist ein wichtiger Fortschritt.

Dann fahren wir in ein verlassenes Dorf in der heutigen Sperrzone des Sinabung. Ein Presbyter, der uns begleitet, zeigt auf die Straße, an der früher das Haus seiner Familie stand. Zwischen 2010 und 2013 mussten die Bewohner wegen der Vulkanausbrüche immer wieder fliehen. Bis zu 30 Zentimeter dicke Ascheschichten bedeckten anschließend das Dorf. Schließlich verbot die Regierung eine weitere Besiedlung.

Nach einer langen Übergangszeit erhielten die verbliebenen Familien 2015 Häuser und jeweils einen halben Hektar Land in größerer Entfernung zum Vulkan. Auch dieses neue Dorf besuchen wir. Die Bedingungen dort sind schwierig: Es ist kühl und windig, der Boden karg und für gute Erträge wird viel teurer Dünger benötigt.

Umso interessanter ist für uns ein Projekt des Kirchenkreises: In der neuen Zentrale soll ein Schulungszentrum für Landwirtschaft entstehen, außerdem ist ein neues Kompostwerk geplant. Vielleicht könnte daraus auch ein zukünftiges Projekt unserer Partnerschaft werden.

Am Abend kehren wir ziemlich erschöpft nach Kabanjahe zurück. So wertvoll all die Begegnungen und Eindrücke sind – sie brauchen auch Zeit, um verarbeitet zu werden. Deshalb freuen wir uns jetzt auf zwei ruhigere Tage am Tobasee.

Tag 7: Sonntag, 13. September

Gottesdienst, Partnerschaftsbäume und Begegnungen

Wie kommt es eigentlich, dass alles so gut organisiert ist und wir überall so freundlich aufgenommen werden? Wir fühlen uns wohl – und spürbar werden alle in unserer Reisegruppe mutiger. Unser Landwirt verschwindet zwischendurch schon einmal in einem Fachgespräch mit einem Karo-Kollegen, Ann-Sophie steigt beherzt auf den Sozius eines Motorrades und dank KI-Übersetzer lässt sich sogar über Autos und Fußball fachsimpeln.

Natürlich ist die Reise auch anstrengend und zwischendurch braucht es eine Extraportion Schlaf. Aber uns geht es gut und dafür sind wir dankbar.

Am Sonntagmorgen gibt es im Dorf zunächst kein Wasser: Ein Lkw ist über eine Wasserleitung gefahren. Frauen tragen Wasser für die Badezimmer, der Pfarrer geht zum Waschen zum Bach. Also beginnt der Gottesdienst einfach etwas später – gewartet wird, bis alle Dorfbewohner so weit sind.

Die Kirche ist mit rund 100 Menschen gut gefüllt. Von den etwa 200 Familien im Dorf gehören rund 90 zur GBKP, andere sind katholisch, muslimisch, adventistisch oder gehören weiteren Religionsgemeinschaften an.

Der Gottesdienst ist lebendig, aber keineswegs laut. Eigene, eingängige Lieder werden kräftig mitgesungen. Trotz der Wärme kommt sogar der mitgebrachte Talar zum Einsatz. Albert ist ein hervorragender Übersetzer, die Gemeinde hört aufmerksam zu, lacht und nickt immer wieder. Es ist ein schönes Gefühl, über Kontinente und Kulturen hinweg im Glauben miteinander verbunden zu sein.

Im Anschluss erleben wir eine besondere interkulturelle Begegnung: Gefeiert wird das 75-jährige Jubiläum der Jugendarbeit der GBKP. Ein Kuchen wird aufgestellt und die „jungen Leute“ unserer Delegation – hier bedeutet das: die Unverheirateten – werden zu den Jugendvertreterinnen und -vertretern nach vorne gerufen. Es wird gesungen, der Kuchen angeschnitten und schließlich darf Ann-Sophie die anderen Jugendlichen mit Kuchen füttern.

Nach der Mittagspause wandern wir zu einer Hängebrücke. Der Vorgänger dieser Brücke wurde vor rund 60 Jahren von der VEM finanziert; einige Reste der alten Seilkonstruktion sind noch zu erkennen. Inzwischen hat die Regierung eine neue Brücke gebaut. Für Autos ist sie zu klein, für die hier verbreiteten Mopeds aber bestens geeignet.

Anschließend geht es durch das Dorf und hinauf auf einen Hügel mit fantastischer Aussicht. Dort pflanzen wir zwei Partnerschaftsbäume – ein schönes und bleibendes Zeichen unserer Verbindung.

Nach einem hervorragenden Abendessen entwickelt sich noch ein intensives Gespräch mit Vertreterinnen und Vertretern des Kirchenkreises Sinabun. Sie fragen nach der Situation der Kirche in Deutschland und erfahren, vor welchen Veränderungen und Herausforderungen wir stehen.

Dabei wird deutlich: Auch wir können viel von unseren Partnerinnen und Partnern lernen – darüber, wie Kirche unter veränderten Bedingungen neu gedacht und gelebt werden kann. Vielleicht liegt gerade darin eine besondere Chance: Unsere Herausforderungen in Deutschland können die ökumenische Partnerschaft noch stärker zu einer Partnerschaft auf Augenhöhe machen.

Tag 5: Freitag, 11. September

Unterwegs ins Karoland

Nach dem Frühstück geht es mit dem gelben Schulbus weiter hinauf ins Karoland. Die Straßen schlängeln sich durch eine üppig grüne Landschaft. Kleine Felder mit Reis, Gemüse, Papaya, Bananen und Orangen wechseln sich mit dichtem Urwald ab.

Unser erster Stopp ist Buluh Awar, das „Bambus-Dorf“. Für die GBKP ist dieser Ort von besonderer Bedeutung: Hier begann 1890 mit dem niederländischen Missionar Kruyt ihre Missionsgeschichte. Dabei erfahren wir auch viel über die schwierige Verbindung von Mission und Kolonialismus. Die Missionare wurden von Plantagenbesitzern finanziert, deren Arbeiter unter menschenunwürdigen Bedingungen lebten. Gleichzeitig setzten sich Missionare für Menschen ein und brachten gesellschaftliche Veränderungen auf den Weg.

Heute entwickelt die GBKP den historischen Ort zu einer Tagungs- und Begegnungsstätte weiter. Unter einem großen Bambusdach treffen sich sonntags Kinder und Jugendliche, auch Konfi-Camps finden hier statt. Auf einem Hügel soll zudem ein Gebetshaus entstehen, das Menschen aller Religionen offensteht.

Herzlich ist auch hier der Empfang: Wir werden mit traditionellen Tänzen begrüßt, probieren Palmzucker und essen gemeinsam auf dem Boden. Unsere Gastgeber zeigen uns, wie aus dem Saft einer Palme über Stunden Palmzucker hergestellt wird.

Anschließend besuchen wir warme Schwefelquellen in Sichtweite des Vulkans Sibayak – eine willkommene Gelegenheit zum Entspannen.

Beim Abendessen in Berastagi sprechen wir schließlich über das Gemeindeleben der GBKP. Pfarrerinnen und Pfarrer haben hier eine zentrale Stellung und übernehmen zahlreiche Aufgaben in Gottesdiensten, Bibelgruppen, Seelsorge und Gemeindeleitung. Albert Purba möchte nach seiner Rückkehr aus Deutschland unter anderem eine Idee in seiner Kirche voranbringen: das Kinderabendmahl.

Tag 4: Donnerstag, 10. September

Große Träume und gelebte Verantwortung

Heute lernen wir einige Einrichtungen auf dem Gelände der GBKP intensiver kennen. Besonders beeindruckt mich die Zuversicht unserer Gastgeber. Obwohl die Kirche kaum noch wächst und viele Menschen mit großen wirtschaftlichen und sozialen Problemen zu kämpfen haben, schmieden sie große Pläne.

Diese Haltung begegnet uns auch in der Philosophie der Einrichtungen: „Hier bin ich, sende mich“ (Jesaja 6,8) – verbunden mit dem Gedanken, trotz aller Schwierigkeiten nicht den Mut und die Freude zu verlieren.

Wir besuchen das Seniorenheim, den Kindergarten, das Waisenhaus und die Mikrokredit-Bank. Viele dieser Einrichtungen verbinden ihre soziale Arbeit mit eigenen wirtschaftlichen Aktivitäten, etwa einer Tischlerei oder Cafeteria. Damit wollen sie zunehmend selbst für ihre Finanzierung sorgen.

Eine Leiterin bringt die Haltung auf den Punkt: Finanzen seien wichtig, dürften aber niemals im Vordergrund stehen. Entscheidend sei der diakonische Auftrag, Menschen zu helfen und Mitarbeitende für diese Aufgabe zu begeistern.

Auch die Mikrokredit-Bank verfolgt diesen Ansatz. Sie unterstützt Menschen, die sich eine eigene wirtschaftliche Existenz aufbauen wollen, bei gewöhnlichen Banken aber kaum Chancen auf einen Kredit hätten. Vertrauen und gegenseitige Verantwortung spielen dabei eine wichtige Rolle.

Am Nachmittag besuchen wir das Museum der GBKP. Es erzählt von den Anfängen der Mission und davon, wie sich der Umgang mit der Kultur der Karo verändert hat. Während frühe Missionare traditionelle Religionen, Musik und Bräuche vielfach ablehnten, bezieht die GBKP heute bewusst traditionelle Melodien, Instrumente, Symbole und Tänze in ihr kirchliches Leben ein.

Tag 3: Mittwoch, 9. September

Kirche, Vulkan und viele Begegnungen

Der erste Morgen beginnt typisch indonesisch: mit Reis, Gemüse und Ei. Anschließend erkunden wir gemeinsam mit unseren Gastgebern das mehr als 50.000 Quadratmeter große Gelände der GBKP in Sukamakmur.

Hier befinden sich unter anderem ein Tagungshaus, eine Kinderklinik, ein Waisenhaus mit Tischlerei, ein Seniorenheim und ein Kindergarten. Besonders deutlich wird dabei, welche wichtige soziale Rolle die Kirche in der Region übernimmt.

Beim „Welcome Lunch“ treffen wir Moderator Christmas Barus und Vertreter des Kirchenkreises Sinabun. Die Gespräche führen schnell zu Themen, die das Leben der Menschen in Nordsumatra prägen: die Geschichte des Landes, Landwirtschaft, soziale Fragen und vor allem der Vulkan Sinabung.

Der weiterhin aktive Vulkan hat vielen Menschen ihre Lebensgrundlage genommen. Landwirtschaftliche Flächen liegen in Sperrzonen, Menschen mussten ihre Heimat verlassen. Ein Kirchenvorsteher erzählt uns, dass er seine Kaffeeplantage trotz Verbots weiterhin in der „Red Zone“ bewirtschaftet – weil ihm eine Alternative fehlt.

Am Nachmittag erfahren wir mehr über die Geschichte der Karo-Batak-Kirche, die heute rund 370.000 Mitglieder zählt. Ihr Leitvers aus Jesaja 6,8 ist auf dem Gelände in Stein gemeißelt: „Hier bin ich, sende mich.“

Auch gesellschaftliche Probleme wie Korruption kommen offen zur Sprache. Schon dieser erste Tag zeigt, wie vielfältig unsere Partnerschaft ist. Es geht nicht nur um Kirche und Glauben, sondern ebenso um Geschichte, Politik, soziale Verantwortung und die ganz konkreten Herausforderungen im Alltag der Menschen.

Tag 1 bis 2: Montag, 7. September, bis Dienstag, 8. September

Ankunft in Indonesien

Endlich geht es wieder nach Sinabun! Zwei geplante Reisen mussten wegen Corona beziehungsweise Krankheit abgesagt werden. Umso größer ist die Freude, dass es diesmal klappt.

Mit Melissa Buba, Ann Sophie Blaschke, Lisa Krüger, Gerhard Niemann und mir, Matthias Rohlfing, sind fünf neue Gesichter in der Partnerschaftsarbeit dabei. Herbert Busch-Prüssing engagiert sich bereits seit längerer Zeit für die Verbindung nach Indonesien. Vorbereitet wurden wir unter anderem von Sonia Tarigan, Jugendreferentin im Kirchenkreis Lübbecke, die uns viel über das Leben und die Gepflogenheiten in Indonesien erzählt hat.

Nach rund 13 Stunden Flug über Singapur erreichen wir Medan. Am Flughafen erwartet uns ein herzliches Willkommen: Mitarbeitende der Ökumene-Abteilung der GBKP begrüßen uns mit einem großen Transparent. Obwohl wir uns zuvor nur aus einem Videocall kannten, kommen wir sofort miteinander ins Gespräch.

Albert Purba, der sechs Jahre als Pfarrer im Kirchenkreis Herford tätig war, soll uns auf unserer Reise begleiten. Wegen eines Vulkanausbruchs und schlechten Wetters verspätet sich sein Flug jedoch erheblich.

Mit einem Schulbus der GBKP fahren wir schließlich zum kirchlichen Zentrum und Gästehaus nach Sukamakmur. Nach der langen Anreise sind wir müde – aber schon jetzt fühlt sich unsere bunt zusammengewürfelte Reisegruppe erstaunlich vertraut an.

Gruppe, die mit einer Collage aus Reisefotos aus einer europäischen Stadt posiert und in einer Flughafenumgebung lächelt.

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